Amnestie oder Todfeindschaft bis in die Puppen

Je kleiner die Summe um so größer der Ärger. Der Generalstreik von Weimar ist 1990 wegen 25 Ostmark ausgebrochen, der Wert von zwei Kästen Bier. Cyril Northcote Parkinson hatte aufgedeckt, daß in Diskussionen die einfachsten Themen am ausführlichsten diskutiert werden, da davon die meisten Teilnehmer etwas zu verstehen glauben: „Bei Budgetdebatten ist die für die Diskussion eines Ausgabenpostens aufgebrachte Zeit umgekehrt proportional zu dessen Höhe.“  Ich habe in einer Hochschule mal eine Diskussion über eine Versuchsanlage im Wert von einer Million Ostmark und den Werkzeugkoffer des Laborleiters im Wert von 450 Ostmark erlebt. Das erste Thema war in fünf Minuten abgefrühstückt, über den Koffer haben acht Personen 4,5 Stunden erbittert gestritten und er wurde dann doch nicht angeschafft.

Das PB-Institut hat nun eine Ableitung erstellt: „Bei Bußen ist die über den Ausgabenposten aufgebrachte Wut umgekehrt proportional zu deren Höhe.“

Der Musikant Beethoven (1770 bis 1827) hatte sogar ein Rondo zur Stützung des Glaubens an diese Gesetzmäßigkeit komponiert: Die Wut über den verlorenen Groschen:

Wir dürfen also getrost davon ausgehen, daß die Kóronabußen im Volk zu mehr Verärgerung führen, als irgendeine absurde Besteuerung, die viel höher ist. 25 Euro Buße für das Hinsetzen auf eine Bank oder das Verzehren einer Bratwurst auf dem falschen Quadratmeter kann dazu führen, daß unauslöschbare Wut oder Verbitterung entsteht. Die Merkelextremisten wundern sich über Phänomene wie die Krönung von König Peter I. in Wittenberg aber die Bußen sind so ein Weg, wie man großtechnisch Reichsbürger produzieren kann, die sich abmelden und deren Home ihr Castle ist.

Es sind schon seit längerer Zeit Schieflagen bei der Maßregelung der Leibeigenen enstanden, nach dem Verschwinden der sturen Skandalkanzlerin sollte ein politisches Tauwetter eingeleitet werden, um den kalten Bürgerkrieg zu beenden, die Verhältnismäßigkeit wieder herzustellen und die erhitzten Gemüter zu beruhigen.

Viele Firmen sind durch Schließungen aufs Gerippe abgehungert. Sinnvoll wären Maßnahmen, die die Eigenkapitalbildung für die geschädigte Wirtschaft ermöglichen, zum Beispiel Senkung der Lohn- und Einkommensteuer, Aussetzung aller Energiesteuern, Verbot von GEZ, IHK und der Gewerbesteuern. Damit dürften auch die Bußen größtenteils entschädigt sein.

Da die Ehre von vielen Leuten verletzt wurde, könnte man noch einen Kniefall des Bundeskanzlers draufsetzen, zum Beispiel vor dem Sitz des Bundes der Steuerzahler oder vor einem Tell-Denkmal.

Dazu muß man gar nicht in die freie Schweiz reisen. Die Eidgenossen haben in Berlin in weiser Voraussicht vorgearbeitet. Am Haus der Schweiz wurde eine Figur von Walther Tell angebracht. Ursprünglich sollte an dem 1936 fertiggestellten Bau eine Figur von Wilhelm Tell installiert werden. Die zuständigen berliner Baubehörden – die schon damals sehr restriktiv waren – hatten aber eine Darstellung des Freiheitskämpfers untersagt, so daß als Kompromiß eine Figur von Wilhelm Tells Sohn, Walther Tell installiert wurde.

Die Kehrseite von eigenkapitalbildenden Maßnahmen müßten natürlich Einsparungen sein, insbesondere die Verschlankung des politischen und ideologischen Apparates würde Milliarden einbringen. Auch eine Bundesfinanzreform mit Beendigung der Mischfinanzierung könnte ungeheure Mittel freisetzen, ohne daß es zu Leistungseinschränkungen kommen muß. Auf die nächste Bundesregierung wartet ein Berg von schon lange unerledigter Arbeit zur Effizienzsteigerung.

Sollten diese Hinweise ignoriert werden, sehe ich ein ähnliche Verbitterung aufkommen, wie nach der Währungsreform von 1924, die die Wahlberechtigten aus gutem Grund zu Todfeinden des Staates und der Altparteien machte.

Ob Laschet das riskiert?

 

Grüße an den Inlandsgeheimdienst: Allzu straff gespannt zerspringt der Bogen. (Fr. v. Schiller)