Die grünen Wurzeln der NSDAP

Angesichts der antisemitischen Unfälle der dokumenta Kassel und den jüngsten Meinungsäußerungen der Klimasekte – durch die Fräuleins Roth und Greta im grünen Umfeld zu verorten – ist es interessant mal nachzusehen, ob der nationalsozialistische Strom der zwanziger und dreißiger Jahre des 20. Jh. auch grüne Zuflüsse hatte.

Adolf Hitler

1920 bettete er seine Parteigründung im Münchner Hofbräuhaus in einen Vortrag ein, Der Arzt Dr. med. Johannes Dingfelder hielt unter dem Titel „Was uns not tut!“ eine Rede über den bevorstehenden Produktionsstreik der Natur; die natürlichen Grundlagen seien gefährdet, die Güter würden sich vermindern, den Rest fräße das Ungeziefer. Das Ende der Menschheit wäre nahe ohne die völkische Neubesinnung. Anschließend gab Hitler sein Parteiprogramm bekannt und die Veranstaltung endete nach linken Störungen im Klamauk.

Hitler war ein Kämpfer für das Tierwohl und Vegetarier. Mahatma Gandhi meinte: „Die Größe und den Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt“. Welch Irrtum! Mit dem Reichstierschutzgesetz vom 24. November 1933 trat das bis dahin umfassendste Tierschutzgesetz der Welt in Kraft. Es „verbesserte die Rechtsstellung des Tieres mithin erheblich“, resümiert der Rechtshistoriker Winfried C. J. Eberstein in einer vergleichenden Studie. Die Präambel legte erstmals gesetzlich fest, dass Tiere um ihrer selbst willen zu schützen seien. 1934 folgte das Reichsjagdgesetz, ein Jahr später das Naturschutzgesetz, 1937 wurden Tiertransporte rechtlich geregelt. Für besondere Verdienste ums Tierwohl gab es die „Adolf-Hitler-Medaille“ mit dem schönen Eintrag: „Adolf Hitler – ich bin ein entschiedener Gegner der Tierquälerei“.

Hermann Göring

Göring hatte 1933 als preußischer Ministerpräsident alle Tierversuche verboten. Wer sich nicht daran hielt, sollte unverzüglich in ein Konzentrationslager überführt werden. Göring war wie einige heutige Grüne rauschgiftsüchtig. Was ihn in den Augen seiner woken Kumpanen verdächtig machte: Er war begeisterter Jäger. Ein der SED beigetretener Förster zeigte mir 1965 zahreiche Fotos, wo er mit Göring in der Romintener Heide jagen war.

Heinrich Himmler

Der Chef der SS war ein achtsamer Vegetarier. Er ließ in Dachau Menschenversuche an Häftlingen mit veganer Ernährung durchführen, um die Überlegenheit der Pflanzenkost zu beweisen. Außerdem gab es Beete, die mit Häftlingskot gedüngt wurden (Stichwort: biologisch-dynamischer Anbau nach Rudolf Steiner). Seine SS-Leute versuchte er zu Vegetariern zu erziehen, mit begrenztem Erfolg.

Rudolf Heß

War Vegetarier und Artamane. Zu den Artamanen gehts weiter unten.

Fidus

Der fleißigste Illustrator der Jugendbewegung und der Lebensreform wurde 1928 Genosse. In seinen Illustrationen tauchten schon früh Hakenkreuze und Todesrunen auf. Naturverbundene Themen dominierten sein Schaffen, er war Romantiker und Techniknörgler. Letzteres verschffte ihm in den 30ern die Mißachtung des Führers.


Gustav Simons

Simons war lange tot, bevor die NSDAP gegründet wurde, er schuf aber Grundlagen, die später im Nationalsozialismus breitgetreten wurden. Er erstrebte eine Fusion lebensreformerischer Bewegungen wie Vegetarismus, Antisemitismus und Bodenreform. Dazu gehörte er dem „Orden des Neuen Tempels“ des Lanz von Liebenfels an. Der Verein war ähnlich wie die Deutsche Reformpartei schon im Kaiserreich eine NSDAP hoch drei. Mitglieder des Ordens konnten nur blauäugige, blondhaarige Männer werden, die sich zur „Reinzucht“ verpflichteten. Simons veröffentlichte zahlreiche Schriften zur Ernährungsreform. Er gehörte zu den „Brotreformern“, die schon Ende des 19. Jahrhunderts die ernährungsphysiologische Bedeutung des vollen Korns behaupteten. Daher entwickelte er 1896 nach russischem Rezept das „Simonsbrot“, ein ekelhaftes klebriges Vollkornbrot, das später im Dritten Reich propagandistisch hochgepuscht wurde. Auch an Gartenstädten war er beteiligt, verbrachte seine letzten Lebensjahre in Eden. Das Gagfah-Konzept war Gartenstadt light und wurde im Nationalsozialismus stark forciert.

Manfred Kyber

Auch Kyber war bei der Machtergreifung schon tot. Er überwarf sich wegen dem Schächten mit den Juden. „Der ganze Schächtvorgang dauert 4 bis 10 Minuten, eine furchtbare Zeit bei diesen Qualen, und wird noch dadurch verschärft, dass mehrfach erneute Schnitte in die offene Wunde nötig sind, um die Verstopfung der Adern durch Anschwellung der Aderwandung an den Schnittstellen zu verhindern. Dass diese Schilderungen nicht übertrieben sind und dass alle Beschönigungsversuche von jüdischer Seite den Tatsachen nicht entsprechen, ersieht man am deutlichsten daraus, dass 612 Schlachthoftierärzte und 41 tierärztliche Vereine diese Barbarei ablehnen. Ich lehne durchaus jede Gemeinschaft mit irgendwelchem Rassenhass ab, der mit meiner geistigen Einstellung nicht vereinbar ist, aber ebenso lehne ich es ab, dass wir uns den rituellen Gesetzen einer fremden Rasse fügen sollen, wenn sie in so offenkundiger Weise mit dem Sittlichkeitsempfinden in Widerspruch steht, wie das Schächten. Wenn die Juden ihrerseits den Gewissenszwang geltend machen, so können wir wohl mit grösserem Recht verlangen, dass bei uns vor allem unser Gewissensgebot geachtet werden muss. Wohin kämen wir, wenn wir jeder Sekte bei uns Verrichtungen einräumen würden, unbekümmert darum, ob diese unserer Kultur entsprechen oder nicht. Dann müssten wir folgerichtig den jeweils bei uns weilenden Kannibalen den Kannibalismus gestatten. Verbeugungen vor jüdischem Kapital können wir an massgebenden Stellen nicht dulden. Geschieht das weiter, so kann man sich über das Anwachsen des Antisemitismus nicht wundern, den zu vermeiden doch schliesslich alle Teile Ursache hätten. So ist auch den Juden zu raten, in dieser Frage Entgegenkommen zu zeigen, durchaus auch in ihrem eigensten Interesse. Die Juden sollten sich warnen lassen.“

Der Reichsbauernführer Richard Darré

Ab 1923 bildete sich der Verein „Artam e.V.“, der eine Filiale der nationalsozialistischen Bewegung wurde. Die Artamanen-Bewegung verband die Ariosophie mit Elementen der Lebensreform, des Biobauerntums und der Naturschutzbewegung, um den Bauernstand als Wiege des „organischen Menschen“ zu verklären und gegen die „Asphaltkultur der Großstädte“ zu revoltieren. Zahlreiche Siedlungsprojekte auf Kleinbauernhöfen wurden begonnen. Auch Höß und Heß waren Artamanen.

Ludwig Klages, Ernst Rudorff

Peter von Rüden hat nach den Gründen und Motiven für die Naturvergötterung der Lebensreform gesucht und folgenden Zusammenhang gefunden: Monotheistische Religionen habe die Naturgottheiten bekämpft und von ihrem Sockel gestoßen. Der Bezug der Menschen zur Natur sei mit dem Abgang von Flussgeistern, Fruchtbarkeitsgöttinnen, Waldschraten und Sonnenscheiben verloren gegangen. Geblieben sei nur die Forderung, sich die Erde untertan zu machen. Er zitiert den grünen Antisemiten Klages:

„Die Weltfeindschaft, die das Mittelalter selbstgeißlerisch im Innern nährte, mußte nach außen treten, sobald sie ihr Ziel erreicht: den Zusammenhang aufzuheben zwischen dem Menschen und der Seele der Erde.“

Um die Sehnsucht nach diesem metaphysischen Naturgeist, diese vermeintlich in den Untergrund abgedrängte, verschüttete Volksseele mit ihrem Gefolge von verschmähten Naturidolen zu benennen zitiert Peter von Rüden den Vater und Erfinder des neuzeitlichen Naturschutzes in Deutschland, Ernst Rudorff:

„Was unsere Urväter in Wodans heilige Eichenhaine bannte, was in den Sagen des Mittelalters, in den Gestalten der Melusine des Dornröschen lebt, was in den Liedern Walters von der Vogelweide anklingt […]: immer ist es derselbe Grundton, derselbe tiefe Zug der Seele zu den wundervollen und unergründlichen Geheimnissen der Natur, der aus diesen Äußerungen des Volksgemüths spricht.“

Es gab schon vor der Jahrhundertwende eine romantisierende Rolle rückwärts, die an der neuen Zeit mit ihren Techniken und Bequemlichkeiten kein gutes Haar ließ.

Ernst Jünger

Es gab auch eine Gegenbewegung zum bedingungslosen Ergrünen: Die Schneise vom techniknörgelnden Nietzsche zur Technikbegeisterung wurde bereits vor 1933 und nicht wie man vielleicht vermuten könnte nach 1933 geschlagen. Bei den Futuristen reimte sich schon 1909 amore auf motore, auch Ernst Jünger hatte 1929 den Weg von der Technikfeindlichkeit Nietzsches zur Technikakzeptanz Hitlers vorweggenommen:

„Ja, die Maschine ist schön, sie muß schön sein für den, der das Leben in seiner Fülle und Verhältnismäßigkeit liebt. Und in das, was Nietzsche, der in seiner Renaissancelandschaft für die Maschine noch keinen Raum hatte, gegen den Darwinismus gesagt hat, daß das Leben nicht nur ein erbärmlicher Kampf ums Dasein, sondern ein Wille zu höheren und tieferen Zielen ist, muß auch die Maschine einbezogen werden. Sie darf uns nicht nur ein Mittel zur Produktion, zur Befriedigung unserer kümmerlichen Notdurft sein, sondern sie soll uns eine höhere und tiefere Befriedigung verleihen. Wenn das geschieht ist manche Frage gelöst. Der kümmerliche Mensch, der in ihr plötzlich seine Ganzheit statt einer zweckmäßigen Zusammensetzung aus Eisenteilen sieht, der Stratege, der sich vom Banne des Produktionskrieges loszulösen strebt, sie sind an dieser Lösung ebenso tätig wie der Techniker und der Sozialist.“

Kein Mittel zur Produktion, sondern ein Mittel zur Kriegführung sollte die Maschine sein, Jünger war Soldat. „Erst unsere Generation beginnt sich mit der Maschine zu versöhnen, und in ihr nicht nur das Nützliche, sondern auch das Schöne zu sehen.“


Die Synthese von Natur und Technik: Nochmal Hitler

Das Sektierertum, das die heterodoxe Welt der Lebensreform begleitete, zeigte sich auch in Hitler selber: Er war inkonsequenter Vegetarier, konsequenter Nichtraucher und Antisemit, Nichttrinker, dillettierender Architekt, ein sexuelles Nichts, professioneller Ausrichter von Aufmärschen und Weihen sowie über Darwin hinausdenkender Sozialdarwinist, der „dem Flickenteppich seiner Ideologie doch Dichte und Struktur“ zu geben verstand, so Joachim Fest. Viele völkische und ariosophische Theorien wehrte er ab, weil er sie als sektiererisch betrachtete, Rosenbergs „Mythos“ war ihm zu kompliziert, die übertreibenden Germanenschwärmer waren ihm zu wenig zielführend. Er arrangierte sich, was die Waffen-SS betraf auch mit Moslems, egal wie blond sie waren, Japaner und Italiener sowie andere Bündnispartner waren auch keine Germanen.

Insbesondere aber grenzte sich Hitler von allen Sektierern ab, die eine Generation älter waren, als er selbst. Alle jene waren aus seiner Sicht „Rückwärtse“. Hitler war wie seine ganze Umwelt jugendgläubig; nur die Glieder seiner Alterskohorte waren aus seinem Blickwinkel authentische Nationalsozialisten. Es handelte sich bei seinen Followern um die Alterskohorte der 1890 bis 1914 Geborenen. Meine Eltern waren Jahrgang 1917 und 1924, denen ging die ganze Partei am Hintern vorbei.

Die Lebensreform mit ihrem grünen Kern mußte popularisiert und von obskurantistischen Details bereinigt werden, für breite Massen verdaulich gemacht, das war die eigentliche Arbeit Hitlers in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre. Übrig blieben die Sonne, die frische Luft, der Sport, der Tierschutz, landschaftspflegerische Begleitpläne an den Straßen des Führers, der Führerkult, der Jugendkult, ein unscharfer Atheismus und der Schönheitswahn. Diese zentralen nietzscheanischen Botschaften begleiteten die Massen in die neue Zeit.

Die nationalsozialistische Variante der Lebensreform kam zum Tragen, weil Hitler es verstand, bizarre reformatorische Inhalte in für die Massen vermittelbare und nicht vermittelbare zu selektieren, das „Brauchbare“ massenverträglich in glatte Tüten zu verpacken und die Lebensreform mit der Technik zu versöhnen. Während eine schmale Parteielite von Supergermanen, Heldenzüchtung, Blutreinigung und erobertem Boden träumte, opferte die von Goebbels gesteuerte Filmindustrie auf dem Altar des Egalitarismus, nuschelte sich der kleine Rühmann an den elitaristischen Sirenen vorbei. Adolf Hitler löste das alte lebensreformatorische Dilemma: populär, aber nicht elitär; elitär, aber nicht populär endlich auf. Das Elitäre wurde populär (was den heutigen Werte-auf-den-Kopf-Stellern immer weniger gelingt). 

Sicher war die grüne Lebensreform ein stark schüttender Quell des Nationalsozialismus, aber es war nicht der einzige. Ebenso sind die Grünen nicht die exklusiven Förderer des derzeitigen Antisemitismus in Berlin. Da müssen sich auch das Zwangsfernsehen, die NGOs, die CDU und die SPD an die eigene Nase fassen. Aber eine scharfe Trennung zwischen grün und braun hat es nie gegeben. Greta ist das moderne Exempel.

Grüße an den Inlandsgeheimdienst: „Wer Wunder hofft, der stärke seinen Glauben.“ (Geh. Rath v. Goethe)

Beitragsbild: Langstreckenluisa hat sich erst heute von Greta abgesetzt. Gemälde von B. Zeller aus ZZ.