Mehr Bürokratie wagen?
In der Führung der AfD Weimarer Land gab es zuletzt den Wunsch die Kosten des eigenen und des übertragenen Wirkungskreises im Haushalt des Landkreises getrennt abzubilden. Der übertragene Wirkungskreis: Das sind Aufgaben, die der Bund und der Freistaat den Kreisen und kreisfreien Städten auferlegt. Typische Beispiele sind das Paßwesen, Meldeangelegenheiten, Ausländerverwaltung und Katastrophenschutz.
Der Komplex der strittigen Finanzierung des übertragenen Wirkungskreises ist alt. Schon Ex-Landrat Münchberg hatte 30 Jahre lang darüber viel ausgeführt und über zu geringe Pauschalen gejammert.
Der übertragene Wirkungskreis wird typischerweise durch Kostenerstattungen, pauschale Zuweisungen vom Land oder Bund sowie Gebühren- und Beitragseinnahmen finanziert.
Warum erfolgen überwiegend pauschale Zuweisungen? Weil der Freistaat nicht will, daß das Personal für diese Aufgaben ausufert. Bei Kostenerstattung hätten die Landräte und Oberbürgermeister naturgemäß überhaupt kein Interesse kostenbewußt zu arbeiten.
Eine Aufdröselung des übertragenen und des eigenen Wirkungskreises im Haushalt würde der Landesverwaltung Einblick in die Effizienz der Verwaltung im Weimarer Land verschaffen. Insbesondere wenn das Landesverwaltungsamt als Haushaltsgenehmigungsbehörde verschiedene Landkreise hinsichtlich der Kostenstruktur vergleichen könnte. Aha, im Landkreis X kostet der Katasrophenschutz soviel, im Landkreis Y ist er billiger. Dasselbe für die Ausländerverwaltung, und andere Aufgaben.
Ich glaube nicht, daß der Freistaat mehr Geld rausrückt, wenn man umständlich und ineffiezient verwaltet. Man kann über den ex-promovierten Landesvater dies und das denken, aber so dumm ist er voraussichtlich nicht. Im Gegenteil, es entsteht die Gefahr, daß den Verschwendern unter den Landräten Pauschalen gekürzt werden, wenn irgendwo anders besonders effizient verfahren wird.
Der Schlüssel zur Effizienz und zu geringeren Umlagen liegt meiner Meinung nach in einer strafferen Leitung. Da helfen keine Gutachten und keine bürokratischen Strafarbeiten, sondern die Durchdringung der Abläufe durch den Landrat und die Leitungsebene. Ich bin fast 25 Jahre Geschäftsführer von mittelgroßen und kleinen Unternehmen in Hessen und Thüringen gewesen und habe fast jede Arbeit mal selbst erledigt, um zu sehen, wie lange man braucht. Selbst eine Eingriffs-Ausgleichbilanzierung hatte ich mal gemacht und an Umweltverträglichkeitsstudien mitgeschrieben, obwohl das nicht mein Metier ist. Auch Haustechniker konnten mir nichts vormachen. Mir konnte niemand ungerechtfertigt Überlastungsanzeigen übergeben.
Man muß das Problem nicht mit noch mehr Bürokratie bekämpfen und die Umständlichkeit nicht noch auf die Spitze treiben. Man muß ja überlegen, daß nicht nur ein Haushalt aufgestellt werden muß, sondern spiegelbildlich eine Jahresrechnung zu erarbeiten ist, die dann auch viel aufwändiger wird. Nach Auskunft der Kämmerin des Landkreises erledigen mindestens 30 Mitarbeiter Sachen aus beiden Wirkungskreisen. Die müßten dann die draufgehende Zeit getrennt erfassen und das müßte wiederum in die Jahresrechnung überführt werden. Mit mehr Aufwand kann man die Kosten nicht senken, Das ist eine Binse.
Man muß die Sache bis zum Ende denken und Risiken identifizieren.

Mit dem Ende der Bürokratie erübrigt sich auch schlagartig und spontan das Problem mit den Bürokraten, oder ?
Wohin mit Ihnen ? Wie sprach die Krähe auf der Wiege auf die Frage “ What shall we do “ ? : ……. This is a Problem i will leave up to You. //°o°\\_
Zur Bürokratie gibt es übrigens eine interessante Schrift Ludwig von Mises (1944, PDF), wo er die karzinomartige Bürokratie als zwangsläufige Folge des von allen gewünschten Versorgungs / Sozialstaates aufzeigt, natürlich begleitet von Schwüren des Gegenteils. Davon zu unterscheiden ist die kaufmännische Buchhaltung / Geschäftsstatistik freier gewinnorientierter Privatunternehmer.
Das gibt es in sehr erweiterter Form in einem Buch, welches bis heute wohl nicht auf Deutsch vorliegt, Joseph Tainter’s „The Collapse of Complex Societies“
(https://www.amazon.com/Collapse-Complex-Societies-Studies-Archaeology/dp/052138673X)
Er vertritt die These – an etlichen großen und kleinen historischen Beispielen – daß all die Krankheiten, Naturkatastrophen, der Glaubensabfall, die äußeren Bedrohungen, Kriege etc. letztlich nie der Grund dafür sind, daß eine Gesellschaft zusammenfällt, sondern das Erreichen eines ökonomischen Grenznutzens. D.h. die Kosten werden größer als die Gewinne, beide parallel durch die Entwicklung komplexer Beziehungen innerhalb solcher Gesellschaften hervorgerufen, anfangs mit Vorteilen solcher Organisationsformen. Erst ab dem Umschlagpunkt werden die zuerst genannten Gründe gefährlich wie bei einem geschwächten Körper.
Heute relevante Stichworte die hier eine Rolle spielen wären z.B die Staatsquote, aber eben auch die Bürokratie, die nicht nur von dieser abhängt, aber wie die Entropie immer nur steigt bis der Produktivitätszuwachs aufgefressen ist. Dann beginnt der Abstieg, und das oft ziemlich schnell, wie schon im Buchtitel ersichtlich. Die Gesellschaft zerfällt in geschichtlich kurzer Zeit in primitivere Stücke rein im Territorium und/oder der Gesellschaftsorganisation abervielen anderen Aspekten mehr. Tribalismus z. B., der von einem Zentralstaat normalerweise in Schach gehalten wird, wird dann auch schnell einmal dominant. Jeder darf darüber nachdenken, welche Gruppen auf dem Gelände Deutschlands sich dann darin wie ein Fisch im Wasser bewegen und welche dahingehend eher allein auf dem Trockenen zappeln werden.
Liest man Caesar und Tacitus, erscheinen die vormalig hiesigen Bewohner geradezu als Erfinder des Tribalismus und stehen den Araben in nichts nach.
Auch was den 30jährigen als Kampf großer und kleiner Territorialherren betrifft, ist der letzte „Clash of the Warlords“ noch nicht so lange her.
Die Rolle der Ökonomie sieht man auch bei den aktuellen Konflikten, selbst wenn sich jemand dabei als Jesus imaginiert (wo man als Pontifex wohl Nerven aus Drahtseilen braucht).
Stichpunkt „…die Kosten werden größer als die Gewinne“:
Beim Zusammenbruch der DDR fiel mir auf, daß viele Betriebe das Niveau der einfachen Reproduktion nicht mehr erreichten.
Der Kampf gegen den Bürokratie – Dschungel verdeckt, daß sich der Leviathan jede erreichbare Mark krallt und davon auf knifflige Weise einen Groschen an die Botmäßigen verteilt. Ähnlich bei Rabatten, Boni, Kundenkarten, Benzipreis – Gezappel: Der Untertan jagd 24/7 paar Pfennigen hinterher und hat keine Zeit zum Nachdenken; beispielsweise, ob D bei den aktuellen Tötungsorgien jwd vielleicht auch eine Rolle spielt – je mehr IQ, desto besser.