Überdehnung und Verkrustung
Alle großen Reiche sind daran früher oder später gestorben. Die Ossis haben unzähligemal stundenlang bei Fahnenappellen rumgstanden, wo die Oktoberrevolution gefeiert wurde. Da waren die Schüsse des Panzerkreuzers Aurora schon lange ein Schuß in den Ofen. Spätestens seit den Siebzigern wurde der Ostblock technologisch abgehängt, weil er zu lange am Primat der Schwerindustrie klebte. Die Tonnen Rohstahl waren nicht mehr der Ausweis von Stärke. Man klebte mit Verbissenheit an der zentralen Planung, die am wissenschaftlich-technischen Fortschritt scheitern mußte. Millionen Priester wurden beschäftigt, die nichts anderes zu tun hatten, als die marxschen Gebetsmühlen zu drehen und jede kleinste Abweichung davon zu geißeln.
Parallel zum ökonomischen Rückstand gab es immer die Verlockung als Opium fürs Volk ein bißchen Weltrevolution herbeizuzaubern. Die Abtrünnigkeit Chinas und Jugoslawiens vom Kreml waren derbe Rückschläge, aber Moskau hielt den Ostblock, Kuba, den Südjemen, Syrien, zeitweise Agypten, Somalia, Angola, Nikaragua durch Besatzung, Subsidien und Militärhilfe als Verbündete am Leben. Außerdem wurde ein Propagandaapparat in westlichen Ländern finanziert, zum Beispiel die DKP und der Pahl-Rubelstein-Verlag, für den der Bundespräsident tätig war.
Das Tüpfelchen auf dem I war die Eroberung Afghanistans, die den technischen Rückstand und die Marodität des Systems gnadenlos offenlegte und zur Auflösung der SU führte.
Als die Zone infolge des Desinteresses der Besatzungsmacht kollabierte, wurde sie in einen Staat überführt, der die innovativste Phase bereits hinter sich hatte. Die Berliner Republik laboriert wie die Sowjetunion an Verkrustung und Überdehnung. Millionen Priester drehen die Gebetsmühlen der bürokratischen Klimaplanwirtschaft, während die Überdehnung sich in der Asylindustrie und der Entwicklungshilfe manifestiert. „Wir schaffen das“ ist eine ähnlich dümmliche Parole wie „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen,“
Eine Gesetzmäßigkeit gibt es: Rohstoffökonomien halten einen etatistischen Irrweg länger durch. Die SU brach erst nach 72 Jahren zusammen. Die Berliner Republik wird es schneller erwischen.

Von Friedrich Merz lernen, heisst aber leider nicht siegen lernen ! Punkt. Das wird Nix.
„Verkrustung und Überdehnung“ – durchaus plausibel, da denke ich an das alte China, Persien, Rom, Ägypten, die Mongolen, das Empire, die USA u.a. Das waren noch Hausnummern, die Halbkolonie Deutschland und die zerbröselnde EU sind es nicht. Den Tip der (klassisch) liberalen Theorie für solche Schlamassel kennen wir.
Ansonsten muß heutzutage vielleicht daran erinnert werden, daß es in der SBZ schlicht keine Schwerindustrie gab (als Voraussetzung für den Rest) und sie auf Teufel komm raus aus dem Boden gestampft wurde. Zweitens war Ostdeutschland sowjetisch besetzt, mußte deftig Reparationen liefern (zB Uran oder Schienen) und jeder Pups wurde im Kreml kritisch beschnuppert.
NB: Wie lange dauerten die Fahnenappelle an Ihrer Schule etwa und gab es auch anderen Themen als die Feier der Oktoberrevolution? Was meinen Sie konkret mit den Millionen Priestern, die marxsche Gebetsmühlen drehten? (Schule, Studium / ML oder Parteischule)? mfG
Die Autokratie/SU/russische Föderation ist ebenso wie Restdeutschland nie etwas anderes als etatistisch gewesen. Bloß konnte letztgenanntes ohne westalliierte Förderung und letztlich Auftragsfertigung (Starfighter, Leopard, teure Autos, geblähte Mittelschicht usw.) sich nach 1990 nicht am eigenen Schopf aus dem Schlamm ziehen.
Immerhin war die SU im kalten UBootskrieg nur mit grotesken finanziellen Anstrengungen der USA in Schach zu halten.
Die Stinger-Flarak war bekannt, nur hatte der Kreml nicht gedacht, daß die Amis so blöd sein würden, Islamisten demokratische Freiheitskämpfer (bis heute, siehe Mamdani und Ilhan Omar) zu nennen und sie damit auszurüsten – in NY kann das Memorial dieser Blödheit besichtigt werden.
Die Giftgasnummer des KGB war natürlich dämlich.
Lt. Krenz wollte übrigens der Spitzbart sich mehr auf den technologischen Fortschritt in Gestalt von Rechnertechnik usw. werfen und wurde deshalb von der übrigen, älteren „KPD-der-Weimarer-Republik-Fraktion“ abgesägt.
Der Spitzbart wurde auf Befehl Breschnews abgesägt. Das unter Ulbricht erarbeitete und von ihm favorisierte Neue Ökonomische System der Lenkung der Volkswirtschaft sah den Aufbau einer Wirtschaft mit Eigeninitiative und finanzieller Eigenverwaltung der Betriebe vor. In der sowjetischen „Wissenschaft“ sah man das als Wiederaufleben des Systems der nationalsozialistischen Wirtschaft und fürchtete einen Erfolg. Deshalb musste Ulbricht als Ideengeber dieser Reform weg und auch im Nachgang alles, was in der DDR noch privat wirtschaftete kaputt gemacht werden.
China lebt schon lange. Japan – als extrem rohstoffarmes Land – ebenfalls. Letzteres auch entweder unter Etatismus nach Lehrbuch (mit der Meiji-Restauration) und vorher mit sogar zusaetzlicher Verschaerfung seiner Rohstoffsituation durch jahrhundertelange Abschottung ebenfalls unter starker staatlicher Kontrolle durch Entwicklung einer der effizientesten Kreislauf- und Landwirtschaften der Welt und tiefer Verankerung einer zugehoerigen Ethik. Geht alles.
Man sollte hier nicht zu locker Begriffe durcheinanderwerfen. Ueberdehnung ist halt das, was der Name sagt. Und damit gehoert sie zu grossen (im betrachteten Moment zu grossen) Laendern. Und die haben erstmal Rohstoffe. Kleinere Laender knacken oder ueberleben aus anderen Gruenden. Die Serenissima zappelte ueber 1000 Jahre lustig herum.
Was immer eine Rolle spielt ist der Punkt des oekonomischen Grenznutzens, der dann erreicht ist, wenn die Kosten zum Betreiben einer Oekonomie die Gewinne irreversibel uebersteigen. Irreversibel ist dabei das bessere Wort als Verkrustung (das ist nur ein aeusserer Aspekt). Verkrustungen sitzen auf einem heilen Kern. Irreversible Aenderungen erlauben kein Entfernen mehr, so wie das bei Krusten geht. Da wird in den Kern geschnitten. Hoffen wir mal, dass er noch genug Substanz hat, das zu ueberleben.
Das Stichwort Afghanistan passt hier sehr gut. Es wird ja auch als Friedhof der Imperien bezeichnet. Griechen (Makedonen), Perser, Engländer, Sowjets und zuletzt die USA.
Im Falle der Sowjets hatte ja die Generalität vor diesem Vorhaben gewarnt, aber die Partei hat ja bekanntlich immer recht. Ob es im DoW bzw. Pentagon warnende Stimmen gab? Man weiß es nicht. Im Falle der USA haben ja Flugzeugträgerverbände auch nicht mehr den strategischen Wert wie im wirtschaftlichen Sinne der Rohstahl zu Zeiten Breschnjews. Eindrucksvoll zu sehen bei der vorläufigen militärischen Niederlage gegen Iran. Bemerkenswerterweise ist die schwimmende Infrastruktur der Amis ebenso marode wie die Infrastruktur der Sowjetunion zu Lande und zu Wasser. Matrosen beklagen sich über schlechten Fraß, kaputte Toiletten ect. Wer schon mal mehr als drei Wochen auf Manöver war, weiß das das Essen eine wesentliche Stütze der Laune des Soldaten ist.
In Berlin wird derweil noch die Mär von der Wertegemeinschaft erzählt. So wie zuletzt von Christoph Heusgen, seinerzeit außenpolitischer Berater vom Merkelmonster und Heulsuse von München.
Ich stimme Ihnen zu Herr Prabel, wenn Sie schreiben: „Wir schaffen das“ sei genauso bescheuert wie „Von der SU lernen, heißt siegen lernen“. Treffender finde ich persönlich aber. „Wer zu spät kommt den bestraft das Leben“.
Apropos: Gorbatschoff leitete 1986 die Annäherung Russlands an China ein, mit einem Staatsbesuch in Peking im Mai 1989. Entgegen der Mehrheitsmeinung hatte er diesbezüglich Weitblick.
„Die Ossis haben unzähligemal stundenlang bei Fahnenappellen rumgstanden, wo die Oktoberrevolution gefeiert wurde.“ Und trotzdem müssen sie doch noch eine positive Wirkung auf Schulhöfen gehabt haben.
Wenn ich mir nicht irre, haben die halbwüchsigen „Ossis“ nach dem Systemwechsel 1989/90 bis etwa 10 Jahre danach immer noch das beachtet, was ihnen beim Hochziehen der Fahne unter „Seid bereit – Immer bereit“ eingetrichtert worden ist. Das war nicht nur Ideologie, es war auch Moral und Ethik – Verhaltenselemente, die heute leider zu oft gegenüber den Mitmenschen bedeutungslos oder gar sinnlos geworden sind.
Achte Deine Eltern und Geschwister –
Respektiere Lehrerin und Lehrer als Persönlichkeit –
Sei zu Erwachsenen höflich und hilfsbereit –
Sei freundlich und zuvorkommend gegenüber älteren und hilfsbedürftigen Menschen –
Erfülle pflichtbewusst die Aufgaben, die Dir am Arbeitsplatz gestellt werden –
Sei ordentlich, ehrlich und fleißig –
Achte die Arbeit und Leistung anderer Menschen –
Sei diszipliniert gegenüber Polizisten, Feuerleuten, Rettungskräften und anderen Autoritäten – Wertschätze Wissen und Erfahrungen anderer Persönlichkeiten.
Mir ist nicht bekannt, dass die Fahnenappelle die Halbstarken früher auf Schulhöfen dazu aufgerufen hätten, die eigenen Eltern zu verachten, disziplinlos und gewalttätig gegenüber Lehrern zu sein, Feuerwehr- und Rettungswagen mit Steinen zu bewerfen, zig Male die eigene Ausbildung abzubrechen, jegliche Arbeit zu bummeln, überall vollgekokst herumzuhängen und zu zerstören, was in harter Arbeit von Mitmenschen geschaffen wurde.
Bildung und Erziehung hatten damals noch einen Wert, heute sind sie überflüssig geworden.
Über“flüssig“ – das ist es! Jemand hat die Gesellschaft verflüssigt, um etwas anderes daraus zu formen.
Wer mag das sein?