Theorie und Praxis der Wohnraumlenkung
Die Linke hat in ihrem Parteiprogramm geschrieben, daß die vergesellschafteten Wohnungsbestände nicht direkt von der klassischen Staatsbürokratie gelenkt werden sollen, sondern in einer Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) verwaltet werden, in der Mieterbeiräte und die Zivilgesellschaft Mitbestimmungsrechte haben.
Wenn man sich den Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ansieht, kräuseln sich bei dieser Perspektive die Fußnägel. Die sog. „Zivilgesellschaft“ ist zu 90 % durch linksradikale Rundfunkbeiräte vertreten, die eine ausgewogene Programmkultur verhindern. Genauso könnten sie eine parteinahe Freundelwirtschaft bei der Wohnungsvergabe etablieren.
Denn das Problem bleibt ja bestehen: Es wird mehr Antragsteller mit Berechtigungsschein geben, als Wohnungen und es gibt auch immer das Evergreen der Vergabe: Wer bekommt die beste Lage und die beste Ausstattung zugewiesen?
Der Autor dieser Zeilen hat von 1976 bis 1984 krasse Erfahrungen mit der linken Wohnungswirtschaft in Weimar gemacht. Die Behörde war so ungeliebt, daß der zuständige Stadtrat Kehr nicht der SED angehörte, sondern der NDPD, also den Nationalbolschewisten. Das waren in dem Fall die Blitzableiter. Seine Frau war Mathematiklehrerin und sie hatte die Aufgabe unsere Schulklasse zu unterrichten, Wir haben sie aus Rache für den Terror ihres Mannes in nur drei Unterrichtsstunden so fertig gemacht, daß sie heulend rausrannte und nie wieder gesehen wurde,
Mein Wohnraumlenker Just war ein armes Schwein. er hatte im Kriege einen Arm verloren und konnte nichts anständiges arbeiten. Er saß täglich im Wohnungsamt und hörte sich stundenlang mit Leichenrednermiene das Gejammer der Kundschaft an. Im Wartezimmer saßen immer um die 40 Leute, die stundenlang darauf harrten eingelassen zu werden. Verlorene Zeit spielte damals keine Rolle, ich ging immer während der Arbeitszeit hin und meine Chefs sahen großzügig wie sie waren weg. Etwa alle drei Monate bekam man einen Besichtigungsschein. Nie war etwas mit Wasserklo dabei, wenn man die Haustür aufmachte fiel man wegen dem Gestank fast um. Dabei war reine Luft in der Russenzeit nie ein Thema, man war einiges gewohnt.
Natürlich hatten die Genossen diese Probleme mit der Wohnraumvergabe nicht. Sie hatten privilegierten Zugang zu den Filetstücken des Angebots. Es gab ja nicht nur schlechten Wohnraum.
Aus persönlicher Erfahrung kann ich vor der Vergesellschaftung des Wohnraums nur warnen. Sie ist eine ungeheure Quelle der Korruption und des Mißvergnügens.
Beitragsbild: Schreiben der KOWO wegen eines kaputten Trockenklos.
