Vanessa Mai – einfach nur Musik
Sie läßt sich politisch nicht vereinnahmen und hat sich vom Feminismus mehrfach distanziert. Nicht weil sie sich für Frauenrechte nicht interessiert, sondern weil der Begriff als solcher mit fragwürdigen Abstrusitäten kontaminiert ist. Zum Beispiel Abtreibung bis 5 Minuten vor der Geburt oder unmittelbare Nähe zum Antisemitismus. Die einzige kleine Sünde von Mai: Ihre gelegentlichen Auftritte im Fernsehgarten eines schrecklichen Zwangssenders.
Es gab ja viele Beziehungsgesänge, in denen die Männer als Problembären Projektionsfläche für Frust sind, Wo Frauen rumjammern, weil der Angebetete fehlerhaft ist. Und wo dann nicht nach vorne, sondern im Zorn zurück geträllert wird. Bei Vanessa Mai wird ganz ohne Furcht und Tadel der amouröse Glücksfall besungen wie im folgenden Lied. Sie selbst hat seit längerer Zeit den gleichen Mann, was für Leute im Showbizz nicht unbedingt die Regel ist.
218.000 Aufrufe in drei Wochen – das ist für so einen musikalischen Simpelsong von der Stange ordentlich. Manchmal habe ich den Eindruck, daß die Noten knapp werden, wenn ich mit den 60ern und 70ern vergleiche.
Aber die neue Zeit verlangt scheinbar weniger mathematische Perfektion der Fuge und keine künstlerische Komplexität, sondern emotionale Wärmflaschen im Lotterbett des Zeitgeists und Rettungsboote im Pazifik der schlechtgeredeten Träume. Der Überdruß an der Kultur, wie Sigmund Freud formuliert hatte, aber umgekehrt, als wie er das gemeint hatte.
Diese Simplizität sehen wir auch im folgenden genau einen Tag alten Video, in völliger Unkenntnis gegenüber der arbeitsaufwändigen Düngemittelverordnung von vdL. Liebe macht halt blind.
Die Kulturrevolution wird nicht so metaphysisch und nach Drehbuch ablaufen, wie das der Ziegenhirte aus Schnellroda erdacht hat, sondern viel chaotischer. Aber sie ist im Anmarsch.
