3 % Inflation?
Im Frühjahr kostete der Toilettenbesuch in einer mir bekannten Autobahntanke 70 Center. Der Automat konnte auf den Euro nicht rausgeben und hat jeden Kunden um einen Groschen behumst. Ein Rentner lamentierte dorten wie Beethoven aus Wut über den verlorenen Groschen. Das Problem mit dem Rausgeben wurde inzwischen gelöst. Der Eintritt kostet mittlerweile einen Euro.
Die Inflation hat einen zweiten Aspekt. Die Qualitätsverschlechterung. Vor vier Jahren bekam man in einer vom Franzosen betriebenen Tanke einen Cappucino in der Porzellantasse mit einem Teelöffel. Vor zwei Jahren war selbenorts aus der Tasse ein Pappbecher geworden. Letztes Jahr wurde noch der Löffel wegrationalisiert und durch ein Pappstäbchen mit einem Loch ersetzt. Heuer kann der Franzos sich seinen Kaffee in den Kragen gießen. Meine Freundin reist jetzt immer mit der Thermoskanne.
Der Lochlöffel erinnert an eine 80er-Jahre-Anekdote aus der Ostzone. Um den Löffeldiebstahl in der Kantine zu stoppen, ließ ein Betriebsleiter in alle verbliebenen Teelöffel ein großes Loch in die Laffe (den vorderen Teil) bohren. Die Logik dahinter: Zum Umrühren von Kaffee reicht der durchlöcherte Löffel völlig aus, aber man kann damit keine Suppe, keinen Pudding oder Joghurt mehr essen – er wurde für den privaten Haushalt also vermeintlich nutzlos. Die Aktion ging komplett nach hinten los. Innerhalb kürzester Zeit waren sämtliche Löffel gestohlen, da jeder Mitarbeiter einen dieser kuriosen „Loch-Löffel“ mit nach Hause nehmen wollte, um Familie, Freunde und Nachbarn damit zu erfreuen.
