Gute Rohstoffdeals
Nicht alle rohstoffarmen Länder leben so in den Tag hinein wie Deutschland und nicht alle Rohstoffländer liegen in Krisenregionen. Von China, Japan, Korea und anderen pfiffigen Staaten kann man lernen wie man in ausländische Rohstoffe investiert, ohne bei jeder kleinen Störung als Bettler dazustehen.
Ich möchte mal mit der Gesellschaft Yancoal Australia Ltd. anfangen, die in Australien Kohle abbaut. Sie hat eine Marktkapitalisierung von 6,5 Mrd. €. Der Streubesitz beträgt nur 29 %. Hauptaktionär von Yancoal Australia Limited ist die Yankuang Energy Group Company Limited, ein großes chinesisches Staatsunternehmen. Die Yankuang Group hält die Mehrheit der Anteile an Yancoal. Verschiedene Berichte deuten darauf hin, dass die Beteiligung über 56 % beträgt. Damit hat sich China die Lieferung von Steinkohle gesichert, was gerade jetzt angesichts der Lage am Persischen Golf sehr interessant ist.
Das koreanische Handelshaus LX International (ehemals LG International) hält als Handels- und Investmentgesellschaft der südkoreanischen LX Group zahlreiche Beteiligungen in den Bereichen Logistik, Rohstoffe und Energie. Das Unternehmen ist weltweit an verschiedenen Minen beteiligt: Nickel & Kupfer: Beteiligung an der AKP-Mine in Indonesien seit Januar 2024 sowie am Rapu-Rapu-Kupferprojekt auf den Philippinen. Kohle: Anteile an Minen wie GAM (Indonesien), Ensham (Australien) und Xinzhen (China).
Marubeni ist eines der fünf größten japanischen Handelshäuser (Sōgō Shōsha) und verfügt über ein extrem breit gefächertes Portfolio an Rohstoffbeteiligungen. Das Unternehmen agiert dabei nicht nur als Händler, sondern ist direkt an Minen, Ölfeldern und Verarbeitungsanlagen beteiligt. Marubeni hält bedeutende Anteile an großen Kupferminen in Chile, darunter Los Pelambres, Centinela (ehemals Esperanza und El Tesoro) und Antucoya. Beteiligungen an großen Projekten in Australien, wie dem Roy Hill Projekt, das eine der größten Eisenerzminen der Welt ist. Engagement in australischen Kohleminen (sowohl Kokskohle für die Stahlproduktion als auch Kraftwerkskohle). Beteiligungen an Alu-Schmelzhütten.
Das australische Unternehmen Whitehaven Coal hat Anfang 2025 den Verkauf von 30 % Anteilen an der Blackwater-Mine an japanische Stahlhersteller angekündigt (20 % Nippon Steel, 10 % JFE Steel).
Die ITOCHU Corporation ist ein diversifiziertes japanisches Handelshaus (Sogo Shosha), das umfangreiche Beteiligungen im Rohstoff- und Energiebereich hält. Die Hauptgeschäftsfelder umfassen Metalle & Mineralien, Energie & Chemikalien sowie Nahrungsmittel.Itochu entwickelt und handelt weltweit Rohstoffe, insbesondere für die Stahl- und NE-Metallindustrie. Dazu gehört die Verwaltung von Joint Ventures im Bereich Eisenerz, wie beispielsweise die Mt. Newman Eisenerzmine in Australien. Das Unternehmen ist stark in der Förderung und dem Handel von Energieprodukten tätig, was Öl, Gas und chemische Produkte einschließt. Um die Position im Rohstoffsektor zu festigen, hat Itochu die Beteiligung an Hitachi Construction Machinery Co Ltd (HCM) auf 33,4 % erhöht, was die Position als Hauptaktionär im Bereich Bergbaumaschinen festigt.
Mitsui & Co., Ltd. ist eines der größten japanischen Handelshäuser (Sogo Shosha) und verfügt über ein extrem breit gefächertes Portfolio an Rohstoffbeteiligungen weltweit. Das Unternehmen agiert dabei oft als strategischer Partner und Investor in großen Förderprojekten. Mitsui hält bedeutende Anteile an globalen Flüssigerdgas-Projekten, unter anderem in Australien (North West Shelf), Katar, Oman, Abu Dhabi, Russland (Sachalin-2) und Mosambik. Beteiligungen an Schiefergas-Projekten in den USA (z. B. im Marcellus- und Eagle-Ford-Becken). Langfristige Partnerschaften mit Branchenriesen wie Rio Tinto und Vale (Brasilien), vor allem in der Pilbara-Region in Australien. Beteiligungen an Kohleminen für metallurgische Kohle (Kokskohle) in Australien. Anteile an einigen der größten Kupferminen der Welt in Chile (z. B. Collahuasi und Los Bronces in Zusammenarbeit mit Anglo American und Codelco). Engagement in Projekten zur Sicherung von Batterierohstoffen (z. B. Nickel und Kobalt in den Philippinen).
Die japanische Sumitomo-Gruppe hält über verschiedene Tochtergesellschaften – insbesondere die Sumitomo Corporation und Sumitomo Metal Mining – umfangreiche Beteiligungen im Rohstoffsektor. Diese erstrecken sich über die gesamte Wertschöpfungskette von der Exploration und dem Abbau bis hin zur Verarbeitung und Vermarktung. An folgenden Projekten ist man beteiligt: Morenci (USA): Einer der weltweit größten Kupfertagebaue; SMM hält hier signifikante Anteile neben dem Betreiber Freeport-McMoRan. Quebrada Blanca (Chile): Beteiligung an dieser bedeutenden Kupfermine im Rahmen eines JV mit Teck Resources. Cerro Verde (Peru): Anteile an einer der größten Kupferminen Perus. Côté Gold (Kanada): Ein großes Goldprojekt, an dem SMM maßgeblich beteiligt ist. Northparkes (Australien): Joint Venture für Kupfer und Gold. Winu-Projekt (Australien): Eine neuere strategische Partnerschaft mit Rio Tinto zur Erschließung von Kupfer- und Goldvorkommen. Nickel & Kobalt (Batterierohstoffe): Ambatovy (Madagaskar)
Auch Deutschland hat drei recht kleine Unternehmen, die rohstoffseitig im Ausland tätig sind.
Die HMS Bergbau AG hält Beteiligungen und Exklusivverträge in verschiedenen internationalen Rohstoffprojekten mit Fokus auf Energie- und Industrierohstoffe. Zu den wesentlichen Engagements gehören eine 51-prozentige Beteiligung an der Projektgesellschaft Maatla Resources in Botswana und eine exklusive Vermarktungsvereinbarung für 100 % der dort produzierten Kohle. Das Unternehmen ist weiters Mehrheitsaktionär von Hoshoza Resources Vryheid in Südafrika, das über eine Abbaulizenz für hochwertige metallurgische Kohle verfügt. In Kasachstan hat HMS Mehrheitsbeteiligungen an lokalen Gesellschaften erworben, die Erkundungs- und Abbaulizenzen für Kupfer, Lithium, Tantal und Niob halten. Über Tochtergesellschaften wie die HMS Oil & Gas Division GmbH ist das Unternehmen im internationalen Handel mit Öl- und Gasprodukten tätig.
Die Deutsche Rohstoff AG ist primär in der Öl- und Gasförderung in den USA aktiv (Tochtergesellschaften wie Salt Creek Oil & Gas), die den Hauptumsatz generieren. Beteiligungen bestehen zudem an Almonty Industries (Wolfram, Südkorea/Spanien/Portugal) sowie Explorationsprojekten für Lithium in Australien und Seltene Erden/Zinn im Erzgebirge.
Wintershall wurde in den letzten Jahren von der Bundesregierung weitgehend kaputt gemacht. Die Wintershall Dea (ein Zusammenschluss von Wintershall und DEA, mehrheitlich im Besitz von BASF) hat im September 2024 den Großteil ihres operativen E&P-Geschäfts (Exploration und Produktion) an Harbour Energy übertragen. Verbliebene Rohstoff-Beteiligungen: Dea hält weiterhin Beteiligungen an Gemeinschaftsunternehmen in Russland (insbesondere Achimgaz, Achim Development und Severneftegazprom), die jedoch von der Abwicklung und rechtlichen Trennung betroffen sind. Libyen: Beteiligung an der Wintershall AG (Wintershall Dea-Anteil: 51 %). Wintershall Noordzee: Beteiligung an der Wintershall Noordzee BV in den Niederlanden (Wintershall Dea-Anteil: 50 %). Eine 15,5-prozentige Beteiligung an der Nord Stream AG.
Wenn die AfD die Regierung übernimmt, könnte sie nach dem japanischen Modell darauf hinwirken, daß deutsche Handelshäuser gegründet werden, die sich der Rohstoffwirtschaft öffnen. Das ist kein leichter Prozeß, weil die Kompetenz weitgehend erst aus dem Nichts aufgebaut werden muß. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
