Die Moral als Quelle von schwersten Fehlentwicklungen

Das Destruktive von Moral liegt in ihrer Eigenschaft, Menschen zu spalten, Schuldgefühle zu erzeugen und kritisches Denken durch starre Dogmen zu ersetzen. Historisch und psychologisch betrachtet verwandelt sich Moral oft dann in ein Zerstörungswerkzeug, wenn sie absolut gesetzt wird.

Moral teilt die Welt strikt in „Gut“ und „Böse“. Wer nicht den eigenen moralischen Standards entspricht, wird schnell entmenschlicht. Die schlimmsten Gräueltaten der Menschheitsgeschichte – von den Hexenverbrennungen über die Judenprogrome, Stacheldraht und Mauer, Islamisierung bis zur Verteufelung der AfD wurden fast immer im Namen einer höheren Moral begangen.

Wer sich auf der „richtigen“ Seite wähnt, fühlt sich oft von Empathie und rechtlichen Schranken befreit. Die eigene moralische Überlegenheit legitimiert dann Aggression, Ausgrenzung und die Bestrafung Andersdenkender. Das war sowohl bei Stalin und Hitler der Fall, wie auch derzeit bei der Nationalen Front.

Wenn ein Konflikt moralisiert wird, verhärten sich die Fronten. Kompromisse gelten dann als „Verrat am Guten“. Politische oder gesellschaftliche Probleme, die eigentlich rationale und pragmatische Verhandlungen bräuchten, werden dadurch unlösbar.

Der Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs war durch unterschiedliche Vorstellungen von Moral hinterlegt, auch der Erste und der Zweite Weltkrieg wurden moralisch aufgeladen. Wenn man den Ukrainekonflikt betrachtet ist das auch der Fall. Die heutige Rede des Bundeskanzlers verlieh seiner Kriegstreiberei einen moralischen Grund.

Manche Moralsysteme sind im praktischen Gebrauch abgeschliffen worden und haben die scharfen Kanten der Bestimmtheit längst verloren. dazu zählen zum Beispiel die Zehn Gebote. Andere unterliegen Schwankungen der Schärfe, zum Beispiel der chinesische Kommunismus. Wieder andere radikalisieren sich ständig, wie die Klimasekte.

Moralsysteme können blitzschnell zusammenbrechen. Das war während der Reformation so, das Stiftungswesen war innerhalb von drei Jahren Geschichte, und das auch im katholischen Beritt. 1945 und 1989 wollten hinterher alle Gläubigen nur Mitläufer gewesen sein. Die italienische Brandmauer klappte 1992 innerhalb eines Vierteljahrs zusammen und begrub alle Parteien außer der Lega unter sich.

Der Bolschewismus, der Nationalsozialismus, die Kóronabekämpfung und die Dekarbonisierung wurden und werden unerbittlich als Säuberungsexzesse zelebriert und reklamieren höchste Ethikstandards für sich. Schon bei der Einberufug von Ethikkommissionen müssen die Alarmglocken läuten. wenn Existenzen wie Frau Buyx auftauchen, will man Rationalität und Alternativen delegitimieren und unter den Teppich kehren.

Was schön wäre: Weniger Moral, mehr Tradition, mehr Hirn.