Ist das Gymnasium noch eine gute Wahl?

Für meine Alterskohorte hat sich eine universitäre Ausbildung noch gelohnt, Es gab natürlich Ausnahmen: Wer Marxismus-Leninismus, Stasi oder NVA studiert hatte, erhielt 1990 die Peterkarte und mußte Versicherungen oder Wasserbetten verkaufen.

Die Gefahr einer universitären Schadbildung besteht jetzt wieder. Ich will mal nicht von den Orchideenfächern wie Geschlechter-, Rassen- und Sexkunde, postkoloniales Zeugs und Kulturwissenschaften schreiben. Ausbildungen zum Steuerberater, zum Juristen, zum Ingenieur, zum Betriebswirtschaftler gehen vermutlich an zukünftigen Bedarfen vielfach vorbei.

Ich sehe das an meiner familiären Praxis. Juristische Probleme konnte ich mehrmals blitzschnell und effizient mit der KI lösen. Auch bei der Steuerung und Rechnungslegung eines Kleinbetriebs wird viel Zeit und Beratung erspart. Mein Aktienportfolio läßt sich in etwa einem Fünftel der Zeit und viel genauer positionieren. Das geht voll auf Kosten der Rechts-, Vermögens- und Steuerberatung und macht dort Jobs überflüssig.

Mein Steuerberater hat seinen Betrieb verkauft, solange er noch Wert hatte. Einige Kollegen aus dem Ingenieurbereich haben dichtgemacht. Das Landratsamt reduziert 2027 erstmalig nach vielen Jahren Aufwuchs die Belegschaft. Lediglich bei den Ärzten und den Notaren sehe ich noch nicht die Katastrophe.

In meinem Landkreis ist die Berufsschullandschaft stark ausgedünnt worden, während die Gymnasien alle erhalten bleiben und baulich verbessert werden sollen. Aber ist ein dreizügiges Gymnasium in einer Stadt mit 22.000 Einwohnern und etwas Umland noch zukunftsweisend und manchmal vielleicht überdimensioniert?

Reparaturen und Service sträuben sich gegen KI etwas mehr, als die Arbeit in einer Versicherung oder einer Verwaltung. Handwerk hat goldenen Boden, viele persönliche Dienstleistungen auch, insbesondere wenn die Abstrusitäten der derzeitigen Wirtschaftspolitik aufhören würden. Dann könnte sogar ein Bäcker wieder produzieren.

Wenn ich jetzt entscheiden müßte, ob ich studieren soll oder handwerkern, würde ich mich für letzteres entscheiden. Seit ich Rentner bin habe ich sehr viel gelernt: Wie man einen Herd oder einen Staubsauger repariert, wie man ein Blechdach deckt, wie man professionell malert, wie man einen Carport baut, wie man Ölgemälde restauriert, wie man Heu wendet, Hufen schneidet und mit der Kettensäge umgeht. Gestern habe ich zum Beispiel die Hydraulikschläuche vom Spalter gewechselt. Es ist ja nicht nur daß das Spaß macht, sondern es ist finanziell auch recht interessant.

Ich sehe im Moment insbesondere bei vielen Eltern eine gewisse Trägheit des Denkens, was die Zukunftsperspektiven ihres Nachwuchses betrifft. „Und auf vorgeschriebnen Bahnen / Zieht die Menge durch die Flur; / Den entrollten Lügenfahnen / Folgen alle. – Schafsnatur!“ dichtete der Geheimrath v. Goethe 1831, um die Denkfaulheit und das Verharren in Gewohnheiten zu geißeln,

Derweilen ändern sich die Zeiten und wir müssen uns auf KI, staatliche Willkür und Unruhen vorbereiten. Aber guter Rat ist nicht so teuer, als manche denken.