Mit Stufentarif kein Mittelstandsbauch


Einige Politiker fordern seit Jahren erfolglos die Glättung des „Mittelstandsbauchs“ des Einkommenssteuertarifs. Besonders vor jeder Bundestagswahl war das ein Thema, nach den Wahlen komischerweise selten oder nie. Der Mittelstandsbauch entsteht, weil der progressive Steuertarif zwischen 14 und 42 Prozent nicht gleichmäßig ansteigt.
Der Steuersatz beträgt ab 8.004 Euro 14 %, steigt bis 13.470 € steil linear auf 24 % und steigt von diesem Knickpunkt weiter flach linear auf 42 % bei einem Einkommen von 52.882 €.

Folge ist, dass vor allem kleinere und mittlere Einkommen im Vergleich zu höheren Einkommen proportional höher belastet werden. Eine vollständige Begradigung der Tarifkurve würde nach früheren Berechnungen zu Steuermindereinnahmen für den Staat von 25 Milliarden Euro führen.

Die Lügenpresse rechnet in der Regel nicht nach und schreibt dem Leser nicht, wie der böse Bauch ihn eigentlich persönlich betrifft. Auch die Moderatoren des Lügenfernsehens, die beim Kampf gegen rechts verbal ergiebig wie die Wasserfälle sind, haben da schmale Lippen. Deshalb will ich mal recherchieren.

Die Steigung einer Geraden wird durch den Buchstaben „m“ bezeichnet. Verwendet man die im Schulunterricht üblichen kartesische Koordinaten, so hat die Gerade, die durch zwei Punkte x1 und y1 und x2 sowie y2 festgelegt ist, die Steigung
m = (y2-y1) / (x2 – x1).

Zwischen 8.822 € und 52.882 € beträgt der mittlere Anstieg m = (42 – 14) / (52.882 – 8.822) / = 0,000635. Das heißt für jeden Euro Mehrlohn steigt die Steuerbelastung um 0,000635 %.

Mit dem Mittelstandsbauch beträgt der Anstieg zwischen 13.470 und 52.882 Euro m = (42 – 24) / 52.882 – 13.470) = 0,000457

Der Durchschnittsverdiener erhält etwa 36.000 € brutto pro Jahr. Die Sozialabgaben, Kirchensteuern, der Grundfreibetrag und andere Freibeträge werden abgezogen, bevor das sogenannte zu versteuernde Einkommen den Steuersätzen unterworfen wird. Für den Durchschnittsverdiener mit 36.000 € brutto beträgt das zu versteuernde Einkommen – individuell schwankend – um die 20.000 €.

Er zahlt mit dem Mittelstandsbauch also 24 + 0,000457 (20.000 – 13.470) = 27,0 % Steuer oder absolut rund 5.400 €.

Der Steuerprozentsatz für den Durchschnittsverdiener mit etwa 20.000 € zu versteuerndem Einkommen pro Jahr würde 14 + 0,000635 x (20.000 – 8.822) = 21,1 % betragen, wenn es den Mittelstandsbauch nicht gäbe. Die Steuerbelastung betrüge dann 20.000 x 0,211  = 4.220 €

Die steuerliche Mehrbelastung durch den nichtlinearen Verlauf des Tarifs liegt für den Durchschnittsverdiener pro Jahr also bei etwa 1.200 €.

Denken fängt mit Vergleichen an. Wir können top down die 25 Milliarden Mehrerlös für Dr. Schäuble mit etwa 28 Milliarden für das EEG vergleichen. Oder mit den 8 Milliarden für GEZ. Oder mit etwa 50 Milliarden für die sogenannten „Flüchtlinge“.

Wir können jedoch auch durch die Brille des Durchschnittsverdieners von unten nach oben ins fiskalische Getriebe blicken: Er muß im Vergleich zu den 1.200 Euro Mehrbelastung bei der Lohnsteuer etwa 7.500 € an die Sozialkassen abdrücken, etwa 300 bis 400 € gibt ein Singelhaushalt für Energiesteuern und -abgaben wie EEG aus, über 200 € für GEZ. Etwa 1.800 € macht die Umsatzbesteuerung aus. Pro Schachtel Zigaretten beträgt die Tabaksteuer etwa € 2,73. Für eine  Schachtel Zigaretten am Tag fallen im Jahr noch einmal 984 € Tabaksteuer an.

Gegen die Verbrauchs- und Energiesteuern ist der sogenannte Mittelstandsbauch eine relativ geringe Belastung. Trotzdem ist er natürlich für den mathematisch normal ausgebildeten Bürger ein „ungerechter“, weil unlogischer Aderlaß.

Grüne, Sozialdemokraten und Linke interessiert diese Mehrbesteuerung kaum, die CDU versprach vage, diese Mehrbesteuerung zurückzufahren, die AfD will einen
Stufentarif wie beispielsweise in der Slowakei, Österreich oder Ungarn praktiziert. Ab der festgesetzten Einkommensgrenze wird jeder hinzuverdiente Euro mit einem höheren Grenzsteuersatz belegt. Der Teil des Einkommens, der innerhalb der vorhergehenden Stufe liegt, wird weiter mit dem dort geltenden niedrigeren Grenzsteuersatz besteuert. Der jeweilige Satz ist also nur für den entsprechenden Einkommensanteil gültig.

Ein Arbeitnehmer, der 36.000 € (als zu versteuerndes Einkommen) verdient, würde beispielsweise für die ersten 10.000 € nichts bezahlen (Grundfreibetrag), für den Rest (26.000 €) würde er angenommen 10 % oder auch einen höheren oder niedrigeren Satz an Steuern abführen. Mit dem Stufentarif wäre das Problem des Mittelstandsbauchs einfach mal weg.

Den Stufentarif gab es früher auch in Deutschland. Adolf Hitler hat ihn 1934 abgeschafft. Ausgerechnet die Partei, die den Stufentarif wiederhaben will, wird nun als Nazipartei abqualifiziert. Die betreffenden Journalisten, die das verbreiten, haben von der deutschen Wirtschaftsgeschichte und vom Nationalsozialismus schlicht keine Ahnung und sind nicht ganz knusper.

 

 

7 Kommentare zu “Mit Stufentarif kein Mittelstandsbauch

  1. Recht kann er ja haben mit seiner Mathematik, der Prabel. Aber darum geht es ihm nicht. Ist es logisch miteinander verknüpft, daß eine Nazipartei den von ihm thematisierten Stufentarif abschafft und eine Nicht-Nazi-Partei ihn also wieder in Kraft setzt? Wohl kaum. Und es taugt auch nicht, die AfD als nazifreie Partei darzustellen und erst recht nicht, Grüne, Linke und SPD zu solchen zu erklären!
    Nur, warum ist der Prabel so scharf drauf zu beweisen, daß seine AfD keine Nazi-Partei ist, wo doch im diesem Jahr niemand aus anderen Parteien so eindeutig seine Nazi-Gesinnung klargestellt hat wie führende AfD-Mitglieder. Sicher alles nur Versprecher, Mausrutscher und Fehlinterpretation. Und mir wurde an einem AfD.Wahlstand das lesen von „Mein Kampf“ empfohlen. Tatsächlich!
    Prabel schlußfolgert sich wie ein kleines Kind, das seine Arme nach oben streckt um zu zeigen, wie groß es ist – und wie klein die Anderen.

    • Ich stimme @anders mehrheitlich zu.
      Ich erkenne im Doc auch immer mehr etwas, dem ich nicht folgen kann und möchte. @Cindy zB kann es, wie er schrieb. Ich evrsuchte immer etwas zu lernen, aber es gerät zur Manie über Nazis zu schreiben und das Petry Pretzell Desaster zu ignorieren.
      Ich bin also wohl weg. Meinen Dank an die Kollegen, von denen ich viel lernte.
      Übrigens @anders ich habe das Buch angelesen und fand es soweit nicht schlecht. Haben Sie es gelesen?
      Alles Gute und lebt wohl.

      • Ich denke Pretzell und Petri haben sich bald erledigt, wie auch Lucki in der politischen Versenkung verschwunden ist. Die 5-Prozenthürde in Deutschland läßt nur alle 20 Jahre eine neue Partei zu. Im Übrigen kann Petri ja bei den LKR anklopfen. Aber da wird man sie nicht reinlassen. Aus persönlichen Gründen…

        • Ich möchte dazu ein Szenario ins Spiel bringen, das eine gewisse relative Wahrscheinlichkeit hat:
          Nach meinem Dafürhalten beträgt der Anteil der Petry-Affinen innerhalb der AfD-Bundestagsfraktion rund ein Drittel. Aus diesem Kreis hat sich nur deshalb noch niemand aus der Deckung gewagt, weil keiner weiß, wie der Hase laufen wird.

          Diese absurde Konstellation von Lindner-Boys, Grüner Pest und Merkelfolglingen inklusive der in einer Streckbank festgezurrten CSU zu einer Regierungskoalition zusammenzubacken ist ein Ding, von dem ich mir nicht vorstellen kann, wie das funktionieren soll. Vor allem Letztgenannten dürfte schon der Gedanke daran höllische Schmerzen bereiten.

          Sollten also noch Restbestände von Vernunft bei den agierenden Darstellern vorhanden sein und diese Variante wegen politischer Perversität verworfen werden, dann müßten andere Optionen ins Auge gefaßt werden.
          Eine wäre, daß die Spezialdemokraten sich heldenhaft ermannen und noch einmal mit Merkel kopulieren; ob mit oder ohne Schulzki, ist dabei zweitrangig – alles ist möglich, um „unsere Demokratie zu retten“.
          Oder eine andere Möglichkeit – und jetzt kommt die Maschinengewehr-Piepsmaus ins Spiel – ist: Die Petry offeriert ihrer geheimen Fünften Kolonne innerhalb der AfD-Fraktion eine verlockende Option mit genügend pekuniärer Perspektive. Die Maulwürfe enttarnen sich daraufhin – gerne auch wegen der Dramaturgie erst nach und nach und nach eingehender Prüfung ihres „Gewissens“ (bis in die Nähe einer Fraktionsstärke), und diese „Blauen“ (oder wie die sich dann auch immer nennen mögen) machen dann mit der Raute des Grauens und ihrem bayerischen Anhängsel sowie dem Unterwäschemodell ehrenhalber ihr ganz eigenes Ding.

          Das ist zwar eine faszinierend-grauenerregende Vorstellung, aber zumindest mich würde es nicht vollends überraschen, wenn sich dieses oder ein ähnliches Drehbuch auftun würde.

          Das Beste wären natürlich Neuwahlen, aber das wollen ja 87,4 Prozent nicht…

  2. Nun ja, so oder so, weshalb die NRWler den ewigen Looser und Insolventen Pretzell so hochjubeln konnten wird für mich ein immerwährendes Unding bleiben. Aber da zeigt sich wieder mal, wie anfällig Parteien für Dummschwätzer und Demagogen sind und wie nach wie vor obrigkeitshörig. Wer zuerst kommt, der wird Chef, egal was das für ein Idiot ist und der beansprucht das auch noch. Parteien sind wirklich ein Übel und der Untergang der Menschheit. Egal, nun ist er nun mal da. Petry ist zumindest ein intellektueller Verlust für die AfD, Pretzell gar keiner. Insofern hat sie den größtmöglichen Schaden für die AfD auf jeden Fall erreicht, auch unabhängig davon, wen sie noch mitzieht und wen nicht. Es ist schade für die AfD. Ich werde jetzt schon ihre nichtgeführten AfD-Debatten im BT vermissen. Aber besser so als ein ewiges U-Boot in den eigenen Reihen. Die Frage ist daher nur, wieviele gibt es noch und wieviele sind vom Staat, VS & Co. Man sollte sich doch in diesem Lande nichts vormachen, man ist völlig naiv zum Thema Einwanderung und Islamisierung, aber doch nicht zum Thema „Kampf gegen Rechts“. Da wird bekanntermaßen nichts dem Zufall überlassen, NPD, NSU & Co. lassen grüßen. Mich würde da gar nichts mehr wundern…! Dagegen war die DDR ein Kindergarten.

  3. @Fin

    Meine Zustimmung zu den Artikel des Dr.P. ist sehr differenziert.
    In der Ablehnung der „grünen Gefahr“ jedoch stimme ich dem Blog-Eigner ausdrücklich zu. Wahrscheinlich, Fin, haben Sie genau daraus Ihre, wie generell alle unberechtigten, Verallgemeinerung geschlossen.
    Schade.

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