Die Großbetriebe sind Kombinate geworden

Mehrere Jahre hatte die WELT getrommelt, daß ihre Leser doch endlich Aktionär werden sollen. Auch noch kurz vor dem Shutdown der Aktienkurse Ende Februar. Gold und Geld tragen keine Zinsen, aber mit Aktien könnte man was verdienen, so die ewig gleiche Argumentation. Der erfahrene Börsianer allerdings weiß, daß man schleunigst verkaufen sollte, wenn die Medien Aktien bewerben. Das ist immer so eine Art Totenglocke, die fünf Minuten vor dem Kursrutsch gebimmelt wird. Ich hab eisern abgewartet und erst gekauft, als die Experten in den Redaktionsstuben endlich kleinlaut verstummt waren. Aktien sind nicht grundsätzlich schlecht, aber sie verlangen wegen massenpsychologischer Effekte gutes Timing. Und nicht nur das. Die Großbetriebe sind Kombinate, teilweise auch Hurenhäuser geworden. Man muß sehr genau schauen, mit welcher Lusche man es in der Geschäftsleitung zu tun hat oder auch nicht.

In den letzten zwanzig Jahren konnte man über Wirtschaft mehr lernen, als in der Zeit zuvor, denn es wurde viel mehr versemmelt. Zunächst wurden um die Jahrtausendwende Milliarden im Neuen Markt mit Technologieschwärmereien verbrannt. Ich hatte damals mit der Telekom erst satte Gewinne gemacht, die ich dann wieder verloren habe.  Es gab noch kein Internet und man konnte sich nicht bei Mister Dax und Max Otte informieren. Auch Finanzen.net gabs noch nicht. Ich bin damals einfach völlig unerfahren mitgeschwommen. Wie gewonnen, so zerronnen, die nächsten zehn Jahre habe ich keine Unternehmensbeteiligung mehr angefaßt, außer in Firmen, wo ich selbst das Ruder in der Hand hatte.

Die zeitgleiche Gelegenheit, angestiftet von einem Medienrummel Geld zu versenken, war die Solarbranche. Wenn ich richtig orientiert bin, hat kein einziger Hersteller von Panelen den damaligen Hype überlebt. Ich hatte darüber berichtet: >Hier. Nichts half: keine Fördermittel, keine Parteispenden, keine Schutzzölle, keine freundliche Medienhilfe. SOLON, Solarstrom, SolarWorld: alle pleite. Auch Investitionen im Ausland kamen unter die Räder. Spanien und Tschechien kürzten die Förderung massiv, nachdem deutsche „Anleger“ in Solarparks investiert hatten. Sonnenenergie war politisch gewollt, aber es funktionierte nicht.

Der erste massive Eingriff in die deutsche Wirtschaft (seit dem Ende des Dritten Reiches und der Zone) war im Jahr 2000 das EEG. Seitdem wird das gesamte Kostengerüst aller Zweige durch den wachsenden Strompreis (angeblich sollte alles eine Kugel Eis kosten) verzerrt. Energieintensive Betriebe werden aus Deutschland vertrieben. Ganz abgesehen davon, daß die Energieversorger in ihrer Not unter die Fittiche des Staats geschlüpft sind, nachdem sie wirtschaftlich unter die Räder gekommen waren. Sie machen jetzt in Windmühlen und Ladestationen. Die E.ON-Aktie ist von 2000 bis heute von 16 auf 9 € gefallen, RWE ist von 50 auf 26 € zusammengeklappt. Folge der Planwirtschaft.  Derzeit sollte man der Energiewirtschaft keinen Pfennig zur Verfügung stellen, denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß weitere Kraftwerke vor Ablauf der betriebsgewöhnlichen Nuntzungsdauer geschrottet werden oder gar ein „Kommando zurück“ kommt.

Abgasvorschriften für Fahrzeuge gab es schon sehr lange. 2017/2018 wurden sie entscheidend verschärft, so daß man von einem Vernichtungsfeldzug gegen das Auto sprechen kann. Der BMW-Kurs ist seitdem von 85 auf 54 Punkte gefallen, der von Daimler von 70 auf 31 und der von VW von 140 auf 128. Es ist ein EU-Problem: Renault fiel von 85 auf 20 Punkte, Peugeot von 18 auf 12, Volvo von 15 auf 12, Fiat ist geflüchtet. Mit dem administrativen Druck gegen den Willen der Kunden alles auf E-Mobilität zu trimmen, ist die Grenze zur Planwirtschaft längst überschritten. Die Fahrzeugbranche wird unter diesen Bedingungen wie die Solarwirtschaft enden: im Nichts. Und die Chefs der drei Automarken kuschen vor der Kanzlerin und reden zum Mund.

Die Älteren unter uns erinnern sich noch an Zeiten, wo Bankiers angesehene Leute waren. Zu meinem Raiffeisenvorstand hatte ich ein gutes Verhältnis – bis 1996 der Nachwuchs aus Frankfurt ankam. Um die Jahrtausendwende begann auch im Bankwesen das neue Denken, Investmentbanking genannt. Des Pudels Kern war letztlich, Gewinne mit mathematischen Tricks vorzuziehen und banktypische Risken in Kundenprodukte zu verpacken. Die später unvermeidbaren Verluste wurden in der Finanzkrise 2009 offengelegt. Die Deutsche Bank ist seit Lehman Brothers von ungefähr 60 auf 7 € abgeschmiert, die Commerzbank von 100 auf 3 €. Die Jagd nach schnellen Boni, der Geldsozialismus mit der Schöpfung immer neuer Milliarden aus dem Nichts und der Nullzins haben das Bankwesen ruiniert.

Noch habe ich ein paar Aktien von Nestle und Südzucker. Aber auch das sind politisierte Titel. Wenn Frau Künast drankommt, beginnt der Endkampf gegen das Zuckerwerk, gegen Fleisch, Schokolade, Wurst, Obst und alles was sonst noch schmeckt. Dann gibt es wie bei Adolf Hitler nur noch Gemüse. Nestle ist in fünf Jahren von 70 auf 98 € gestiegen, Südzucker von 13 auf 12 € gefallen, aber auch die beiden kann die Politik noch völlig ruinieren.

Wichtige Branchen arbeiten nicht mehr für den Kunden, sondern auf Befehl von Kommissaren wie in der Oktoberrevolution. Wenn man die deutsche Wirtschaftpolitik der letzten zwanzig Jahre einordnen will, so stellt man eine Nähe zu 1914 bis 1948 fest. Die Wirtschaft wurde nicht wie in der Sowjetunion enteignet, der Schein privaten Besitzes blieb erhalten. Allerdings wurden Vorgaben von der Schröderschen, Merkelschen oder Brüsseler Zentrale gemacht, die den Entscheidungsspielraum auf ein Minimum einengen. Man muß schon sehr großzügig sein, um dieses Verhältnis noch als Eigentum durchgehen zu lassen. Zumindest gibt es die Tendenz die Entscheidungsbefugnisse immer mehr von der Vertragsfreiheit wegzuentwickeln.

Gerhard Polt hat der Unternehmenskultur größerer deutscher Betriebe ein Denkmal gesetzt. Als meine Freundin das 1980 (damals noch im Westfernsehen) sah, merkte sie an, daß es kaum einen Unterschied zu den Kombinaten gäbe. Ja, im Nachinein bewundere ich ihre Weitsicht.

Fasching

Ich will meine Ruhe! #Fasching➡ https://polt.de/

Gepostet von Gerhard Polt am Montag, 12. Februar 2018

 

 

Grüße an den Verfassungschutz. Ihr müßtet ja eigentlich den Rest vom Eigentum schützen (Art. 14 GG).