Das China-Manko und der Rußlandschock

Vier deutsche DAX-Konzerne sind besonders billig zu haben. Und trotzdem beißen die Investoren nicht wirklich an. Es sind vier im China-Geschäft besonders engagierte Unternehmen:

BMW: Gewinnschätzung 26 € pro Aktie, Kurs 83,7, KGV = 3,2

VW: Gewinnschätzung 33 € pro Aktie, Kurs 141,6, KGV = 4,3

Mercedes-Benz: Gewinnschätzung 12,5 € pro Aktie, Kurs 64,4, KGV = 5,1

BASF: Gewinnschätzung 6,7 € pro Aktie, Kurs 49,7, KGV = 7,4

Die von NGOs durchsetzten regierungsnahen Medien führen den Chinamalus gern auf die erratische Kóronapolitik der chinesischen Regierung und daraus resultierende Lieferkettenprobleme zurück. Das dürfte aber viel zu oberflächlich beobachtet sein. Bei Investments in China ist es nämlich eher die Rechtsunsicherheit, die irritiert. Das Exempel Alibaba, als der Chef vier Wochen von der Bildfläche verschwand, steckt allen noch in den Knochen, ebenso die Kriegsgefahr um Taiwan.

Was sich im Großen tut, gibt es auch im Kleinen: Vor Jahren haben einige Jenaer Jungs eine Reise um die Welt in 80 Tagen durchgezogen. Wo sie nicht wieder hinwollen, ist China. Es fiel ihnen auf, daß Abmachungen vor der Erbringung von Dienstleistungen nachher nicht mehr ansatzweise galten. „Ein Mann – ein Wort“ kann man vergessen. Das betraf Übernachtungs- und Restaurantpreise ebenso wie Verkehrstarife.

Was auch eine Rolle spielt: Der fällige Umbau der chinesischen Wirtschaft, die Schrumpfung des völlig aus dem Ruder gelaufenen Bauwesens auf eine langfristig tragfähige Größe. Das ist ein Kraftakt sondershausen, der China als Absatzmarkt schwächen dürfte.

Was die Hoftrompeter von Soros, Gates und Schwab ebenfalls ungern erwähnen, sind die Folgen der Sanktionen. Besonders BASF ist dadurch betroffen. Der Konzern hatte seit den 90ern die wechselnd motivierte Rußlandpolitik von Kohl, Schröder und Merkel aktiv begleitet, in Rußland investiert, in Deutschland zahlreiche Gemeinschaftsunternehmen mit russischen Energieriesen betrieben. Nicht nur daß das heuer zu Abschreibungen führte. Der derzeitige hohe Gaspreis drückt in den deutschen Standorten zusätzlich auf die Stimmung.

Auch die Autokonzerne waren in Rußland präsent: 2019 hatte Mercedes seine erste Pkw-Fabrik in Russland eingeweiht, unweit der Hauptstadt Moskau. 250 Millionen Euro hatte das Werk gekostet, dort wurde die E-Klasse für den russischen Markt gebaut. Auch Daimler Truck mußte inzwischen weichen, die 15-Prozent-Beteiligung am russischen Lkw-Bauer Kamaz ist perdu. BMW hatte mit seinem russischen Partner Avtotor 2021 noch 12 000 Autos in Königsberg gebaut und incl. Exporten 49 000 Karossen im Land des Zaren vertrieben. VW hatte in Kaluga und Nischni Nowgorod eigene Fabriken. Alles teure Geschichte.

Es sind eher politische Verspannungen, die durch Annalena und ihre Kritik an ausländischen Potentaten jeglicher Sorte ständig angeheizt werden, aber auch ohne sie schon virulent sind. Der Selbstbehauptungstrieb zahlreicher asiatischer Regime erwacht angesichts zunehmender weltweiter NGO-Aktivitäten, bei denen das deutsche Auswärtige Amt nur ein Abenteurer unter vielen ist. Das Event in Katar wurde 2010 in einer längst verflossenen Zeit von Friede-Freude-Eierkuchen vergeben, es erscheint gegenwärtig während zunehmender Provokationen der Magnaten als aus der Zeit gefallen. 2010 regierte in der Ukraine die Partei der Regionen als Vertretung der nationalen Minderheiten. Vom Arabischen Frühling war noch nicht die Rede, die Welt schien noch hallewege in den Bahnen.

Die Periode der entgleisenden Globalisierung und eines exponentiell wachsenden Außenhandels geht zu Ende. Die EU errichtet Handelsbarrieren per Klimazoll, Sanktionen, Lieferkettengesetzen und ESG, die Handelspartner sind auch nicht fein (z.B. Behandlung von VW in den USA)  und erfinden ständig neue Schikanen. Brüssel und Berlin wollen die deutsche Industrie loswerden, statt sie zu schützen. Das ganze wachsende Mißtrauen spiegelt sich in der Unbegehrtheit deutscher Exportfirmenaktien bei Investoren.

 

Grüße an den Inlandsgeheimdienst: „Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie, nicht zu trennen.“ (Geh. Rath v. Goethe)