Mussolini, Meloni und Amerika

Gerade in Deutschland wird ein verzerrtes Bild des Faschismus gezeichnet, welches ich etwas zurechtbiegen möchte.

Benito Mussolini hatte in den 1920er Jahren ein vom Futurismus beeinflußtes positives Bild von den USA. Er sah die Vereinigten Staaten als ein Land der technologischen Modernität, des industriellen Fortschritts und der Effizienz. Er war beeindruckt von der amerikanischen industriellen Produktivität, der Urbanisierung und dem Unternehmertum. Er sah in den USA ein Modell für den technologischen Fortschritt, das er für Italien erstrebte. Seine Partei war aus der futuristischen Bewegung entstanden, die extrem technikvernarrt war. Geschwindigkeit, Motoren, Fliegen, Kraft, Männlichkeit, Gewalt waren die Fetische des Faschismus. Bei der Gründung der faschistischen Partei waren etwa ein Drittel Juden dabei, was bei Hitler von Anfang an nicht in die Tüte kam,

Obwohl er als Sozialistenfunktionär den Kapitalismus ablehnte, bewunderte Mussolini die Kapitäne der Industrie und die moderne Unternehmenskultur Amerikas. Seine Wirtschaftspolitik war in den 1920ern teilweise darauf ausgerichtet, US-Investitionen anzuziehen. Umgekehrt betrachteten US-Banker und Investoren wie J.P. Morgan Mussolini als einen Garanten für Ordnung, Stabilität und als einen Partner im Kampf gegen den Kommunismus in Europa, was Mussolini wiederum nutzte.

US-Außenminister Henry Stimson bezeichnete die Beziehungen zu Italien 1933 als äußerst herzlich. Der sozialistische Franklin D. Roosevelt bezeichnete Mussolini noch 1933 als „bewundernswerten italienischen Gentleman“.

Brav zahlte Mussolini amerikanische Kriegskredite ab. In den 1920er Jahren war die Beziehung also eher kooperativ und von gegenseitigem Interesse geprägt, was sich erst ab 1935 durch die Annäherung an Hitler und den Äthiopienkrieg grundlegend änderte.

Hitler dagegen verachtete Amerika als dekadent und von Börsenjuden kontrolliert. Er sah den Materialismus und die Konsumkultur als Zeichen einer dekadenten, schwachen Gesellschaft, die durch Geldgier gekennzeichnet sei. Er sah die USA dennoch als wirtschaftliche Macht und wollte dem amerikanischen Kapitalismus einen sozialistischen europäischen Block mit der Hauptstadt Germania entgegensetzen.

Giorgia Meloni bewegt sich derweilen in der Tradition von Mussolini, was das Verhältnis zu Amerika betrifft. Was Friedrich Merz angeht: Er arbeitet am europäischen Block, was nicht völlig verkehrt ist. Allerdings ist man ohne Kernwaffen nicht souverän und ohne florierende Wirtschaft nicht stark. Das blendet er aus. Er delektiert sich wie in einer Echokammer an den eigenen hohlen Worten.