Die Illusion der Macht
Auch 1989 war es der Nationalen Front gelungen in Ostberlin eine sechsstellige Masse auf die Gasse zu trommeln. In der Hauptstadt ist das kein Problem, weil sich da schon immer die Minderperfekten angesammelt hatten.
In der Provinz sah das anders aus. In den Dörfern wurde von den Hauseigentümern verlangt, Fahnen rauszuhängen. In Mechelroda hingen am 1. Mai nur noch drei Fahnen. Der Kindergarten ging durch den Ort und die Kindergartenleiterin fragte die Jüngsten was das für eine Fahne sei. „Die Zonenfahne“, antwortete unser Junge. Die Kindergärtnerin dachte insgeheim wohl ähnlich und der Vorfall wurde vertuscht.
Es gab immer schon einen feinen Unterschied zwischen Stadt und Land.

Moin! Man könnte die DDR übrigens auch links überholen: mit einer roten Fahne. 🙂
konnte … sorry
Ja die Fahne! Irgendwie unbeliebt war sie immer, vor allem, da der unheraldische Goldton bekrittelt wurde („hühnerdreckig“).
Heute wissen wir, er ist die Diebesfarbe nach innen und die Farbe des Weltsozialamtes nach außen.
Bald wird sie wieder durch Bettlaken ersetzt werden, wie Max Colpet in seinem Vergleich von „Drap et Drapeau“ bereits andeutete.
Dem Berliner der sich am 1.Mai 1989 im Zentrum von Ostberlin aufhielt, haben die Ohren geklingelt von dem Singsang der aus dem roten Sachsen und Thüringen herangekarrten Demonstranten. Am 7. Oktober 1989 wars nicht anders. Das war der jährliche Höhepunkt, der die üblichen ganzjährige Folter der Berliner durch aus Sachsen stammende Pateibonzen krönte.
Es war eigentlich umgekehrt. Thüringen und Sachsen waren mit dem Sturz Ulbrichts vom Glauben abgefallen. Mit Honecker wurden preußische Gebräuche wiederbelebt. In Sachsen hieß es damals: Warum ist die Elbe in Dresden so gelbe? Sie schämt sich zu Schanden und geht außer Landen. Gleich hinter Meißen, pfui Teufel nach Preußen.
Bei der Wahl 1990 zeigte sich das klar: Berlin wählte noch die rote NSDAP. Das hat sich bis heute nicht geändert.
Am 6. Oktober riefen die Blöcke aus den südlichen Bezirken vor der Tribüne „Gorbi, Gorbi“.
Aber Thüringen ist nun mal rot, von Henning-Wellsow bis Voigt.
Und überall an den „GÜSt“en sprachen die Grenzer sächsisch „Mochen Se mol dän Gofferraum auf und nähm Se de Radgappen ab!“
Mit dem „roten“ Thüringen könnten Sie recht haben, wenn ich mich so umgucke. Selbst Höcke hat wohl langsam die Nase voll. Auf Dauer halte ich jedoch den ausgeprägten Lokalpatriotismus für wichtiger – in der schwachen Hoffnung auf eine Sezession. (Werde das dann von „oben“ weiter verfolgen.)
Sezession? Das wird doch dasselbe Chaos wie vordem – der Landgraf sitzt in Marburg, seine Elisabeth macht in „Charity“.
Wenn „oben“ im Fensehen über Deutschland berichtet wird, schmeiße ich den Apparat aus dem Fenster, isch schwör! Vielleicht treffe ich Berlin.
Wenn der Kleindeutsche, der Großdeutschen oder der Sowjetdeutsche es versaut haben, dann ist er’s nicht gewesen, sondern der Preuße ist schuld. Willfährig nimmt der Ex Klein-/Groß-/Sowjetdeutsche die Ideologie und Deutung der Sieger an und tritt in die für ihn geschaffene Partei die CDU ein.
Apropos Fahne und Abgrund:
die eben in London entdeckte Banksy-Statue bringtd die Lage deutlich zum Ausdruck:
ein von einer Fahne orientierungsloser Mensch schreitet in den Abgrund.
https://www.ndr.de/kultur/kunst/banksy-in-london-riesige-statue-in-westminster-aufgetaucht,banksy-216.html
Die Versifften vom NDR schreiben natürlich vom „verblendenden Patriotismus“ – die Seifenfreien haben aber viel mehr in Frage kommende Fahnen, vom Roten Banner bis zu Progressive Pride. Und nichts im Kopf.