Verständnis der Geschichte und deren Periodisierung
Steinzeit, Altertum, Mittelalter, Neuzeit, Renaissance, Feudalismus, Biedermeier, Belle Epoque, Demokratie, Faschismus, Bolschewismus, Nationalsozialismus, Ende der Geschichte, Wokismus. Ein bunter Strauß von „Einordnungen“, teils umstritten, teils Volksglauben, teils Expertendogma. Selbstverständlich sind diese Periodisierungen Hilfsmittel, um die Geschichtsschreibung auf das gewünschte Ergebnis zurechtzubiegen, zum Beispiel das Rad der Geschichte von der Finsternis zum knallbunten Fortschritt am Laufen zu halten oder auch das Gegenteil zu behaupten.
Nur ein Beispiel: Die hochgelobte Renaissance diente mit ihren Religionsstreitereien der Vorbereitung des Dreißigjährigen Kriegs, und damit eines Zivilisationsbruchs. Der Zusammenhang zwischen Kulturrevolution und Krieg wird von der Geschichtsschreibung immer wieder weggedrückt. Zweites Exempel: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit endeten nach wenigen Jahren in den Napoleonischen Kriegen und in gesamteuropäischer Armut.
Die gefühlten Epochengrenzen 1914 und 1933 sind einseitig politisch. Kulturell und volkswirtschaftlich begann der europäische Totalitarismus um 1890 und endete um 1950 (in Osteuropa abweichend davon, was zu den Verspannungen im innerdeutschen und innereuropäischen Verhältnis führt). Von den Menschen wurde der Epochenbruch aber 1914 und 1945 wahrgenommen, also nicht an kulturellen und ökonomischen, sondern an politischen Ereignissen festgemacht. Gutes Exempel: „Die Welt von gestern“ von Stefan Zweig. Er wurde vom Ausbruch des Weltkriegs völlig überrascht, obwohl sich das Unheil lange angedeutet hatte. Heinrich Mann stellte dagegen das Ende des freiheitlichen Zeitalters am Lebenslauf von Buck und Heßling als einen Tod auf Raten dar. Umstritten ist nur wann er das Buch wirklich geschrieben hat,
Auch das Ende der Geschichte 1990 war eine fatale Kopfgeburt. Sicher, in Dresden, Warschau und Budapest war 1989 ein Zäsur, aber es war eigentlich der Wiedereintritt in die Geschichte und nicht deren Ende. Der Westen blieb aber bei seinem linksradikalen Leisten. Mit dem Niedergang Moskaus stiegen Ankara, Teheran, Peking und Kabul zu neuen Herausforderern auf, was Westeuropa bis heute nicht begreift,
Wir leben in einer Zeit, wo der in die Höhe geschossene sauerländische Alberich, der das Rheingold vergeudet, grade die letzten Bausteine der politischen Diktatur setzt, während in der Kultur der Rückweg zur Zivilisation schon zaghaft beschritten wird. Bei einem Musikfestival am Ring wurde der Buka als abgehobener Bösewicht vorgeführt. Der Sänger Finch hielt eine kurze Ansprache mit Versatzstücken von Merz, die grad durchs Netz geht.
Wo ist die Epochengrenze? Erst wenn das politische System wie 1991 in Italien unter der Last der eigenen Korruption zusammenkracht? Oder schon bald, wenn die Schaffenden ihre eigene Kultur leben?

Da halte ich es mit Erich Honecker, der (schwacher Erinnerung nach und in einem selten klaren Moment) sinngemäß feststellte, daß in der Geschichte mit jähen Wendungen zu rechnen sei. 👍
Freut mich das Video zu sehen. So mag ich ein buntes Deutschland.
Heinrich Mann wird von seinem Neffen Golo durch die Blume ja nicht als besonders intelligent bezeichnet. Daß Wilhelm II beim Ausritt nur in Pfützen gefallene, Hurra rufende Untertanen schätzte, ist absolut kontrafaktisch. Der Gründer der Adlon-Dynastie sprach ihn vielmehr im Tiergarten an wegen irgendeiner gastwirtlichen Idee, deren Verwirklichung mit Kaisers Hilfe dann auch gelang.
Wilhelm freute sich sogar, wenn ihn mal jemand von außerhalb des (ihm leider haushoch überlegenen) Berliner Politsumpfes mit anderen Lebensbereichen bekannt machte, er war ja universell interessiert.
Buck und Heßling sind eher zwei Seiten der Mannschen Persönlichkeit, hatte er sich doch durchaus für die unangenehmen alldeutschen Herrschafts-Ideen der 48er begeistert, die Wilhelm zu seinem Ärger zunächst nicht weiter verfolgte.
Den Heinrich habe ich seit Schulzeiten unbewußt nie mehr aufgeklappt und dabei wird es wohl bleiben.
Im Lesebuch war das mißlungenste Kapitel des Buchs.
Zur, sagen wir mal, Kulturgeschichte eine beiläufige Frage, Herr Prabel: Wenn man von Tonndorf nach Nauendorf am Bach lang spaziert (die Anlage rechts tapfer ignorierend), sticht schon aus deutlicher Entfernung ein neues / giftgrünes Haus regelrecht ins Auge. Geschmacksverirrung, OK. Aber man sieht zunehmend auch neue teure Einfamilienhäuser, die (dunelgrauer Kubus) eher an Bunker oder Strafanstalten erinnern. Ist das Einbildung oder steckt mehr dahinter (Bauhaus, keine Ahnung)? Oder mein unmoderner Geschmack (ein bißchen passend zu Region und Landschaft)❓
Wenn man noch ein paar Schritte weiter geht, kommt man nach Hohenfelden. Der grad eröffnete Eingang des Freilichtmuseums erinnert mich – sorry – an das Haus der deutschen Kunst von Paul Ludwig Troost. Ist das niemandem aufgefallen?
Die Region um Bad Berka bietet viele schöne Winkel, da kann man auf Erinnerungen an den unsympathischen Kerl verzichten (dabei sollen die Ober-Gangster privat ganz ordentlich gebaut haben). Übrigens irgendwo gelesen, daß der Zeitgeist (früher friedens- und umweltbewegt) garnicht so inkonsistent rumflattert, sich auch biographisch lesen läßt – wohl eine Fascho-Ente.
Mir scheint, daß der moderne mehrgeschossige Holzbau generell so ausschaut, wo sozusagen eine Wand fehlt und das Gebäude sich nach außen öffnet, Balkone etc. – vermutlich statische Gründe.
Ich bin gerade in einem Alpenresort, das von ferne an das IG-Farben-Gebäude in Ffm gemahnt.
„Video Unavailable“
Das ging schnell!
Jetzt wieder da –
Interessant.
Der ist doch auch nur so’n linker Laberkopf.