Wie die Verstaatlichung von Wohnungen endet
Die Aktie des Wohnungsriesen Vonovia ist heute weiter auf ein rekordverdächtiges Tief gefallen, wohl auch weil die Hamas die Wahl in Berlin gewonnen hat. Die Linke will Vonovia ja enteignen.
Vonovia ist mit über 61 Mrd. € hoch verschuldet, Gemessen an einem Jahresumsatz von 5 Milliarden ist das viel. Die Durschnittszinsen betragen 2,1 %, der Zins von neueren Anleihen beläuft sich bis 4,4 %. Wenn die Entschädigung für Enteignungen knapp ausfällt, wird der Schuldenturm wanken.
Die defizitäre Stadt Berlin wird kein Geld für die Instandhaltung haben und alles wird verkommen. Wenn ich mir Frau Reichinnek oder Herrn Palisando anschaue ist das unausweichlich.
Aus persönlicher Erfahrung will ich mal zeigen, wie die Substanz ausschaut, wenn ein Objekt 38 Jahre mit Mietendeckel kommunal verwaltet worden ist. Das Foto ist 1983 in der Scherfgasse 1 in Weimar aufgenommen worden.

Die Zeitungen lagen da, weil es immer durch die Decke tropfte, wenn der oben wohnende Mieter Reichenbach seine Toilette benutzt hatte.
Im Hof befand sich die Grube, die einen Metalldeckel hatte. Einmal worden Kohlen geliefert und der Kohlenmann schaffte zwei Zentnersäcke in einen Verschlag. Auf dem Rückweg mit den leeren Säcken trat er auf den Deckel, der Deckel brach ein und der Mann wäre in Kloake ertrunken, wenn er nicht die Arme breit gemacht und sich auf dem Rand abgestützt hätte. Großzügigerweise spendierte ihm die Kommunale Wohnungsverwaltung einen neuen Arbeitsanzug.
Wenn es in der Scherfgasse auch kleine Mißlichkeiten gab, so wußte ich bereits damals, daß es immer noch Menschen gab, denen es schlechter ging als mir, nicht nur in Afrika, sondern auch in der Stadt der deutschen Klassik. Denn die sanitären Verhältnisse waren damals noch wahrhaft klassisch. Mein Freund Dirk bewohnte in der Schillerstraße ein Zimmerchen, das zum einen viel kleiner war als mein Gewölbe, und darüber hinaus noch über eine Spezialität verfügte, die bereits selten geworden war: ein Tonnenklo. Im Zimmerchen hatte ein Bettchen Platz, das eine ganze Wandseite einnahm, ein Tischlein, ein Stuhl und ein schmales Regal vervollkommneten die Einrichtung, in der Ecke stand ein sogenannter Kanonenofen. Die Tür schlug zu allem Überfluß nach innen auf, so daß die drangvolle Enge verstärkt wurde. Aber das Klo war die Attraktion. Bereits wenn ein Besucher das Haus betrat, schlugen ihm süße Düfte entgegen. Neben dem Hausflur befand sich ein Raum, in welchem eine mannshohe Holztonne stand, und in diese Tonne führte das Rohr von den Toiletten. Wenn ungefähr eine Woche vergangen war, kam ein Lkw und die volle Tonne wurde aus dem Haus gerollt, und eine leere Tonne herein. Ich habe immer den Herrn bewundert, der die Tonnen rollte, und der bei den Fahrten durch die Stadt ungerührt neben seinen Tonnen auf der Ladefläche des Spezialfahrzeugs stand und dabei mit Seelenruhe sein Pfeifchen schmauchte.
Das war aber auch nicht der Höhepunkt der Klassik. Noch abenteuerlicher ging es in der Kleinen Kirchgasse 11 zu, die vom Kraftfahrer Siggi im 2. Obergeschoß und einer jungen Frau namens Elli im ersten Obergeschoß bewohnt wurde. Im 3. Obergeschoß wohnte der Student Lüt als Untermieter. Siggi und Lüt behaupteten unisono, daß man auf dem Trockenklo im Erdgeschoß Sommersprossen bekommen würde, und es hatte jeder seine eigene Lösung gesucht. Siggi hatte mit etwas Geschick sein Klo an die Dachrinne angeschlossen. Wegen eben diesem Geschick wurde er später Hausmeister in einem Schauspielerstift.
Lüt hatte neben der Wohnungstür im Treppenhaus einen großen Kupferkübel stehen, in den er urinierte. Bei den harten Sachen ging er in Gaststätten oder in ein nahegelegenes Studentenwohnheim. Den Kübel trug er, wenn dieser voll war, die Treppe herunter und goß ihn aus. Lüt veranstaltete abends oft Feten. Wenn die jungen Damen nach der Toilette verlangten, beschrieb er den Weg. „Du mußt aus der Wohnungstür raus, und gleich rechts um die Ecke ist es“. Die jungen Damen gingen aus der Tür heraus in den dunklen Hausflur und suchten an einem speckigen Wandbehang, der einmal ein Gobelin gewesen war, nach einer Türklinke. Da war aber keine, sondern unten stand der Bottich. Einmal war Uli Weißbach zu Besuch und er fand den Bottich nicht. Er öffnete das Fenster und pinkelte in den Hof auf die Wäsche von Elli.
Das war aber immer noch nicht die Spitze der deutschen Klassik. Wer näheres über das 18. Jahrhundert wissen wollte, mußte sich in die Marstallstraße begeben. Hier befand sich im Haupthaus überhaupt kein einsamer Ort, sondern im Garten stand eine baufällige Hütte. Wenn im Hause Fremde weilten, trat im Bedarfsfall die sogenante Bratpfanne in Aktion. Es war ein Metalltopf mit einem langen Holzstiel, der in einem Durchgangszimmer untergebracht ward. Die beiden Türen wurden in der Regel bewacht, um Störungen zu vermeiden. Wenn nach dem Örtchen gefragt wurde, sagte der Veranstalter David Frase (damals ein europaweit bekannter Spezialist für seltene Käfer) mit ernstem todtraurigen Gesicht und im allgemeinen recht laut, sozusagen ungerührt zu seiner Freundin: „Babsi, hol mal die Bratpfanne“.
Eine ganz ähnliche Beschreibung der sanitären Verhältnisse habe ich beim Studium der Werke des Historikers Kulischer gefunden, der die fäkalen Besonderheiten am Hofe Ludwigs des XV. in Versailles untersucht und publiziert hatte.
Das sind so die Erfahrungen, die der Nationalen Front im Westen fehlen. Die wissen nicht, daß Sozialismus menschenverachtend und wenn sich nicht rettende Zufälle ergeben tödlich endet.
