Wie man putscht, eine Anleitung
Auf Friedrich Merz wettet kaum ein Zocker noch einen Groschen. Grad hat er sich in Kühlungsborn und Leuna blamiert. Alle Medien rechnen mit seinem politischen Exit, aber es muß ja ein Jemand die ruchlose That vollbringen ihn zu erledigen.
Zu einem Putsch gehören
der richtige Zeitpunkt um den Mantel der Geschichte zu ergreifen
der entschlossene Macher
eine Grundstimmung, vielleicht noch ein Anlaß
das Glück des Tüchtigen
Die SPD hat mit zahlreichen Putschen ihre Anführer gewechselt. Ich erinnere nur an Lafontaine, der Scharping mit einer zündenten Parteitagsrede gestürzt hatte. Oder an das Ende von Kurt Beck.
In der CDU gab es mal einen gescheiterten Versuch, als sich Kohl im Frühjahr 89 seiner Haut wehrte. Die CSU hatte Edmund Stoiber 2007 zum Rücktritt genötigt.
Der Autor dieser Zeilen ist kein Theoretiker. Ich hatte im Januar 1990 den Generalstreik in und um Weimar ausgelöst. Die Kampfgruppen des Weimar-Werks hatten bei ihrer Auflösung ihre Kasse auf die Mitglieder verteilt. Das waren 25 Ostmark pro Mann. Der Vorgang löste derartige Wut aus, daß es zum Generalstreik kam. Das Neue Deutschland berichtete am kommenden Montag davon, man hatte in Ostberlin Fracksausen, daß das auf den ganzen Süden übergreift. 25 Millionen hätten kaum so eine Empörung ausgelöst, aber 25 Mark kann sich jeder vorstellen. Das waren ungefähr zwei Kästen Bier.
Nehmen wir mal an beispielsweise Jens Spahn würde nach zahlreichen Wahlniederlagen der CDU auf den Plan treten und eine Konzeptänderung verkündigen. Statt der babylonischen Gefangenschaft der Union in den Kerkern der SPD könnte er eine Minderheitsregierung vorschlagen. Die mittleren Kader der CDU – in der Furcht vom Wähler weiter dezimiert zu werden – würden darin eine Chance für ihr politisches Überleben sehen, oder eben auch nicht. Man könnte die Beute – zahlreiche von der SPD zu räumende Posten – an eigene Leute verteilen und in den Ländern könnte die CDU zusätzlich in Baden-Württemberg den MP stellen.
