Außenpolitik gehört nicht auf Kirchentage, außer es würde für Trump gebetet

Von 1949 bis zur Jahrtausendwende wurden in Bonn die außenpolitischen Bälle flach gehalten. Seit der Problempeer Peer Steinbrück die Schweiz mit der Kavallerie zur Räson bringen wollte wurde die Außenpolitik wie unter Wilhelm II. und Hitler wieder für innenpolitische Beliebtheitszwecke genutzt.

Steinbrück nutzte 2008/2009 im Steuerstreit mit der Schweiz primär deutsche Massenmedien und politische Kommunikationskanäle, um seine Angriffe maximal wirksam zu platzieren. Er transportierte sie gezielt über große deutsche Tageszeitungen, Magazine wie Der Spiegel oder Die Zeit sowie Fernsehstuhlkreise.

Seither haben alle Bundeskanzler außenpolitische Themen genutzt, um sich bei den woken Extremistenmedien lieb Kind zu machen. Die jüngsten Bemerkungen des Bundeskanzlerpraktikanten in einer Schule und auf einem Kirchentag waren besonders unprofessionell. So etwas redet man nicht über Kiribati oder Eswatini, schon garnicht über Amerika oder Rußland.

Noch Reichskanzler Otto von Bismarck sah die Presse als enormes Risiko für die Außenpolitik. Er war überzeugt, dass unkontrollierte Berichte und Pressekampagnen das außenpolitische Vertrauen zwischen Regierungen zerstören und dadurch fatale internationale Spannungen bis hin zu Kriegen auslösen können.

Er hatte recht. Es war allerdings nicht nur die Presse selbst, sondern auch die Nutzung der Presse durch seine Majestät. 1908 wurde im Zuge der Bülow-Affäre das Verhältnis zu England nachhaltig zerrüttet. Im Oktober 1908 veröffentlichte die britische Zeitung Daily Telegraph ein Interview mit Kaiser Wilhelm II.. Darin versuchte der Kaiser sehr ungelenk, sich als Freund Großbritanniens darzustellen, beleidigte mit undiplomatischen Äußerungen jedoch gleichzeitig fast alle europäischen Großmächte einschließlich England sowie Japan und die USA. Aus dem Interview:

„Ihr Engländer seid verrückt, verrückt, verrückt wie die Märzhasen.“

„Ich habe mich bemüht, die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verbessern, aber das ist eine schwere Aufgabe. Warum? Weil die Mehrheit des deutschen Volkes von England nichts wissen will.“

Außenpolitik zu gestalten war in Berlin offensichtlich immer wieder schwierig. Die Hauptstadt sollte nach Bonn zurückverlagert werden und Merz durch einen Profi ersetzt.