Nach 1923, 1948 und 1990: Die Luft wird wieder dünn

Selbst sog. „Vermögensverwalter“ haben derzeit Bedenken Staatsanleihen zu kaufen. Ein Geldzyklus kommt wieder mal wie 1923, 1948 und 1990 an sein Ende. Da riechts nach Inflation, Steuererhöhungen und Krieg.

Geh. Rath v. Goethe hatte 1831 eine typische Krisensituation dargestellt: Der Schatzmeister aus Faust 2 jammerte:

Auch, Herr, in deinen weiten Staaten
An wen ist der Besitz geraten?
Wohin man kommt, da hält ein Neuer Haus,
Und unabhängig will er leben,
Zusehen muß man, wie er’s treibt;
Wir haben so viel Rechte hingegeben,
Daß uns auf nichts ein Recht mehr übrigbleibt.

Als Antwort darauf hatte Mephisto ein Sondervermögen aus Papiergeld unter die Leute gebracht.

Ein solch Papier, an Gold und Perlen Statt,
Ist so bequem, man weiß doch, was man hat;
Man braucht nicht erst zu markten, noch zu tauschen,
Kann sich nach Lust in Lieb‘ und Wein berauschen.
Will man Metall, ein Wechsler ist bereit,
Und fehlt es da, so gräbt man eine Zeit.
Pokal und Kette wird verauktioniert,
Und das Papier, sogleich amortisiert,
Beschämt den Zweifler, der uns frech verhöhnt.
Man will nichts anders, ist daran gewöhnt.

Der Kaiser verabschiedete sich von der Illusion, daß das frische Geld vernünftig investiert würde. Es ging wie bei Friedrich Merz in den Konsum:

Ich hoffte Lust und Mut zu neuen Taten;
Doch wer euch kennt, der wird euch leicht erraten.
Ich merk‘ es wohl: bei aller Schätze Flor,
Wie ihr gewesen, bleibt ihr nach wie vor.

Nur der Narr flüchtete rechtzeitig in Sachwert:

Und kaufen kann ich Acker, Haus und Vieh? Und Schloß, mit Wald und Jagd und Fischbach? Heut abend wieg‘ ich mich im Grundbesitz!

Es ist jetzt Zeit daraus zu lernen und in die Igelstellung zu gehen, das heißt vom Vermögen zu retten, was noch zu retten ist. Man sollte wie der Narr in Goethes Faust es richtig machen und sein Fiatgeld in Sachwert verwandeln, während Friedrich Merz das Geld verjubelt und verpulvert.

Blinder Eifer schadet nur, sagte die Oma, und das ist eine wichtige Regel. Man sollte alles mit Bedacht und mit Überlegung angehen. Und nicht auf die Hinweise falscher Berater hören. Alle Kamikazeaktionen mit hohen Renditen, mit Hebeln und Zukunftsversprechen muß man unbedingt meiden. Die Mama von meiner Freundin hatte die gesamten Ersparnisse auf Anraten einer Bekannten in eine Schweizer Treuhand zu 7 % Zinsen gesteckt. Nach einem Jahr merkte sie, daß sie betrogen worden war. Wenn der Staat unseriös ist, muß man selbst seine Brötchen in der passenden überschaubaren Größe backen. Nur Anlagen, die man jeden Tag liquidieren kann sind passend.

Zunächst sollte man prüfen, was man für absehbare Zeiträume an Haushaltsgegenständen und Werkzeugen braucht, was ersetzt werden muß. Denn diese Gegenstände werden nicht von den staatlichen Vermögensaufstellungen erfaßt, sind vor Vermögens- und Erbschaftssteuer relativ sicher. Dazu gehören auch Antikgegenstände, soweit man sie wie Don Alphonso täglich beim Kaffeetrinken nutzt.

Die Wohnung bzw. das Haus sollte man einbruchsicher machen. Als ich um die Jahrtausendwende in Warschau und Breslau unterwegs war, hatte fast jede Eingangstür einen Eisenbeschlag und mehrere Schlösser. Inzwischen haben sich die Verhältnisse umgedreht, die Kriminalität ist nach Deutschland ausgewandert. Auch die Aufwändungen für die Einbruchmeldeanlage und neue Fenster erscheinen nicht im Vermögensregister.

Autos kennt der Staat, man sollte nicht das teuerste und neueste fahren, um Steuern zu versparen.

Nun kommen wir zu einem wichtigen Punkt: Jede Anlageklasse hat spezielle Risiken, und das gilt auch für die Endphase von Geldsystemen. Deshalb ist es sinnvoll, nicht alles auf eine Karte zu setzen und Klumpenrisken zu vermeiden. Zweite Regel: Sachwert schlägt Geldwert. Von Geld, Lebensversicherungen, Rentenversicherungen bleiben in der Regel 5 bis 10 % übrig. Das war 1924 und 1949 so, 1990 wurde die Staatspleite der Zone vom Westen aufgefangen, allerdings um den Preis die D-Mark zu schwächen.

Sachwerte verteilen sich auf Immobilien, Aktien, Edelmetalle, Antikgegenstände und die oben genannten Haushaltsgegenstände. Immobilien haben das Risiko, daß sie mit Bauregeln und Zwangshypotheken belastet werden können bzw. enteignet. Aktien können enteignet werden, zum Beispiel die Russenaktien 2022. Der Handel mit Edelmetallen wurde in einigen Ländern zweitweise verboten, sie waren zeitweise mehr oder weniger illiquide. Auf keinen Fall darf man Edelmetalle in Schließfächern einer deutschen Bank lagern. 1938 wurden alle Schließfächer vom Staat nach Gold durchsucht. Das Großereignis von Gelsenkirchen im vergangenen Jahr spricht auch nicht für Deutschland. Antikgegenstände unterliegen Moden und Preisschwankungen. Daraus sollte man folgern, das Vermögen auf die Sachwerte weise zu verteilen. Irgendwas geht immer.

Unter Umständen kann auch helfen Vermögen in verschiedene Länder zu verlagern. Diese sollte man sich aber genau anschauen. Wie sie früher mit deutschem Vermögen umgegangen sind und welche steuerlichen Fallstricke drohen. Ob es ein ordentliches Kataster gibt usw. Am besten sind neutrale Staaten und ehemalige Verbündete. Immos sollten auf dem Landweg ereichbar sein, was sich während Kórona bewährt hat. Eine Warnung ist wie immer das Unglück von Boris Becker, wo auch noch Pech dazukam. Er hatte auf einer spanischen Insel Grundbesitz erworben, wo die Baugenehmigung auf wackligen Beinen stand.

Einiges richtig und den Rest falsch machte der Galerist Heinrich Thannhauser. Er verlagerte sein Geschäft ab 1925 mehr und mehr in die Schweiz. Von Mai 1905 an war er zunächst Kompagnon in der 1905 von Franz Josef Brakl gegründeten „Modernen Kunsthandlung“ in der Goethestraße 64 in München gewesen. 1909 gründete er in der Theatinerstraße 7 seine eigene „Moderne Galerie“. Aus gesundheitlichen Gründen zog er sich 1921 aus dem Geschäft zurück, das er an seinen Sohn Justin übergab. Thannhauser entschloss sich 1934 zu seinem Neffen Siegfried Rosengart in die Schweiz überzusiedeln, wo dieser zusammen mit Heinrichs Sohn Justin in Luzern die Filiale der Kunsthandlung betrieb. Durch die Aufregungen während der Abfertigung an der Deutsch-Schweizer Grenze erlitt er einen Herzschlag und starb am 24.11.1935 in Luzern. Man muß nicht nur einiges, sondern alles rechtzeitig tun.

Ich denke immer an die Russenzeit zurück, als ich bettelarm war und keine Ersatzrückstände aus den Vorperioden hatte. Meine Nachbarn hatten noch Maschinen, Möbel, Werkzeuge, Anziehsachen und bauliche Anlagen aus der Vorkriegszeit, was ihnen große Vorteile verschafft hat. Man muß in schwere Krisen mit etwas Speck auf den Rippen gehen. Noch ist Zeit zu handeln.