Schwierigkeiten mit der Wahrheit


Unter der Überschrift „Flüchtlingsstrom ist organisierte Invasion“ referiert der Focus Teile der Weihnachtsansprache des tschechischen Präsidenten Zeman. „Dieses Land ist unser Land, es ist nicht für alle da und kann auch nicht für alle da sein“, endete seine Rede. Zeman verwies auf das nationalsozialistische Protektorat Böhmen und Mähren, wo die jungen Tschechen auch nicht nach England auswanderten, um Sozialleistungen zu beantragen, sondern im Land blieben. Das erwartet er auch von den Arabern.

So unkommentiert wollte der Zeitungsredakteur des Focus das nicht stehen lassen. Interessant ist nun wie die Lügenpresse am Damm gegen die Wahrheit baut und uns den Unmut der Osteuropäer erklärt:

„Immer wieder wird auf die Abwehrhaltung der dortigen Bevölkerung verwiesen. Zu Sowjet-Zeiten sei diese von der Außenwelt abgeschottet gewesen, musste dementsprechend kaum Fremde integrieren“.

So der Focus. Das ist an der Wahrheit haarscharf vorbeigeschrieben. Die Tschechoslowakei mußte 1968 eine ausländische vom Kreml gesteuerte Invasion über sich ergehen lassen und wurde danach 21 Jahre lang „normalisiert“. Radio Jerewan bekam damals folgende Anfrage: „Stimmt es, daß wir von Prag um militärische Hilfe gebeten worden sind?“ Antwort: „Im Prinzip ja, Allerdings kam der Hilferuf 1939.“

„Normalisierung“ war das offizielle Neusprech für die Unterdrückung der Tschechen und Slowaken durch eine ausländische Macht und deren einheimische Kollaborateure wie den KP-Führer Husák. Damals gab es den Witz von der Lokomotive, die den Berg herauf- und herunterfährt. Raufwärts zischt sie „dub-cek, dub-cek, dub-cek“ und herunter „huu-sak, huu-sak, huu-sak….“

Die Sowjetunion stationierte die „Zentralgruppe der Sowjetarmee“ in der ČSSR. Ihr Hauptquartier befand sich in der mittelböhmischen Stadt Milovice, nur 50 Kilometer von Prag entfernt. Rund 80.000 Soldaten sowie etwa 40.000 Zivilangestellte und Angehörige waren insgesamt in der Tschechoslowakei stationiert. In 23 Jahren Besatzung blieben sich die slawischen „Brüder“ fremd.

Die Russen wollten sich nicht integrieren und sie brauchten das auch nicht. Als schwer bewaffnete Herrscherkaste bestimmten sie einfach, was gemacht werden muß. Daß es im Ostblock keine Ausländer gab ist eine dreiste Lüge. Ausländer waren überall und sie ruinierten zielgerichtet die Wirtschaft, zerstörten Familien, warfen Abweichler ins Zuchthaus und trieben fast 14.000 Tschechen und Slowaken in die Emigration.

Niemand hat sich jemals dafür entschuldigt. Niemand hat jemals die Opfer entschädigt. Niemand hat die Umweltschäden bezahlt, die die Russen angerichtet haben. Der tschechische Staat schätzte diese Kosten auf 6 Milliarden Kronen. Den Rückstand in der wirtschaftlichen Entwicklung, der durch die Besatzung eingetreten ist, kann man in ganz Osteuropa auf mehrere Billionen Euro schätzen. Dazu kommt eine sechsstellige Zahl von Toten und eine Millionenzahl von Inhaftierten und Deportierten.

Entgegen den dreisten Lügen des „Focus“ war die Tschechoslowkei eben nicht von der Außenwelt abgeschnitten, sondern im ganzen Gegenteil von ihr militärisch besetzt. Haben Zeitungsredakteure je eine Geschichtsstunde in der Schule besucht? Haben sie je über Freiheit und Unterdrückung nachgedacht? Diese finsteren Gestalten sind derart ungebildet, daß dem Zeitungsleser Zweifel am deutschen Bildungssystem kommen müssen. War es nicht doch verhängnisvoll, daß in einigen Bundesländern Geschichte durch Sozialkunde ersetzt wurde? Im Ergebnis müssen wir immer wenn der journalistische Mob etwas aufschreibt, davon ausgehen, daß das Gegenteil zutrifft.

Die Tschechen und Slowaken nahmen die Herrschaft der Ausländer zuweilen mit Galgenhumor.  Sohn Hurvinek fragt den Vater Spejbl über den Wald aus. „Was ist Laubwald?“ „Eine Eiche, eine Buche, eine Linde, eine Buche…“ „Und was ist Nadelwald?“ „Eine Fichte, eine Kiefer, eine Fichte, eine Fichte…“ „Und was ist Böhmerwald?“ „Eine Fichte, eine Eiche, ein Russe, eine Buche, ein Russe…“

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