Der Fluch der Batterien
Herausragende Köpfe predigen immer wieder, daß Digitalisierung und Elektrifizierung schneller gehen müßten. Ich war grad eine Woche mit meinem demmelgetriebenen Fahrrad auf Tour und hatte zwei interessante Erlebnisse,
Einmal war ich in der Morgenstunde in einem Wohngebiet unterwegs und eine Frau kam mir zu Fuß entgegen. „Hier bin ich sowieso, schön ist es auch anderswo“, mag sie gedacht haben, als sie in ihr Funktelefon glotzte. Da mag grade eine Attraktion wie der Buckelwal, Bärbel Bas oder Godzilla die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Ich hielt an, weil ich kein Risiko eingehen wollte und sie lief wirklich in mein Fahrrad rein. Ist nix weiter passiert, aber sie hatte einen blauen Fleck und einen Schreck. Anschließend hatte ich mich mit meiner Freundin in einem Kaffee hingesetzt und wir beobachteten die Leut auf der Gasse. Wir sahen noch zwei weitere Frauen, die beim Laufen Handyschauen praktizierten.
Den nächsten Tag war ich auf einem Fahrradweg unterwegs. Rechts war ein Zaun, so daß ich einem entgegenkommenden E-Bike-Fahrer nicht ausweichen konnte. Er begnete mir ohne mich zu touchieren, aber er war offensichtlich aus dem Gleichgewicht gekommen. Hinter mir hörte ich einen Aufprall, und der ältere Herre war gegen den Zaun gekracht. Ich bin selbst drei Male über die Lenkstange gestürzt, aber die Folgen waren wegen geringerer Geschwindigkeit und Mindergewicht des Fahrrads verkraftbar. Einmal waren die Uhr und die Brille kaputt gegangen, aber ich konnte weiterfahren. Der Unfall mit dem schweren E-Bike hatte mehr Spuren hinterlassen, der Fahrer war mit dem Gerät regelrecht verwurschtelt. Viele Leute denken, daß man auf dem elektrischen Zweirad weniger fit sein könne, daß das letzte Fahrrad eine Batterie haben müsse, so wie das letzte Kind ein Fell hat. Aber das Gegenteil ist der Fall. Höherer Speed und mehr Masse erfordern mehr Koordination und Übung.

Ich bin kein E-Bike Fahrer, stelle mir so eine demmelgetriebene* Wochentour aber ganz erbaulich vor.
„Wir sahen noch zwei weitere Frauen, die beim Laufen Handyschauen praktizierten.“
Also bei mir in einer kleinen Großstadt verhält es sich eher umgekehrt:
„Wir sahen noch zwei weitere Frauen, die beim Laufen KEIN Handyschauen praktizierten.“ Und das gilt genauso für Männer.
Ich habe schon viel von Unfällen mit E-Bikes gehört und gelesen. Wenn meine Frau allein unterwegs ist (zu Fuß), gebe ich ihr immer den gut gemeinten Rat mit auf den Weg: „Komm nicht unter die Räder.“ Damit sind aber auch Kampfradler gemeint, nicht nur E-Bikes. 😉
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„demmelgetrieben“… Musste ich gugeln (KI): „Die Demmel Gruppe, ein mittelständischer Hersteller von Bediensystemen, Elektronik und Zierteilen, ist vor allem im Bereich E²MS (Electronic Engineering and Manufacturing Services) für E-Bike-Antriebe tätig. Sie entwickelt und fertigt über ihre Tochtergesellschaften (wie RAWE Electronic und TEFAG) komplexe Elektronikbaugruppen, Sensorik und intelligente Steuerungen für E-Bike-Motoren und mobile Akkusysteme.“
Treffer oder nicht?
Die Demmeln sind in Thüringen die Pedalen.
Bei dem alten Bio-Radler genügen Aufmerksamkeit und gelegentliches Räuspern. 🙂
„Höherer Speed und mehr Masse erfordern mehr Koordination und Übung. “
Genau so ist es.
Allein die größere Fliehkraft in Kurven infolge des hohen Gewichts will beherrscht sein.
Mir lief mal auf einem Feldweg bei unserer Verwaltungshauptstadt ein frei laufender junger Schäferhund ins Rad. Obwohl ich schon vorher kräftig abgebremst und guter Hoffnung war, mußte ich noch eine Vollbremsung mit Lenkerabstieg machen.
Bei meiner esrten Ausfahrt vor Jahren hat es mich in der Abfahrt von M.-roda hinunter zur Forellenzucht mit 50 km/h aus der Kurve gewedelt. Zum Glück kam keiner entgegen.
Ich krieg jedesmal Gänseheut, wenn ich die älteren Herrschaften mit tatsächlich unangemessener Geschwindigkeit vorbeibrettern sehe.
Übrigens:
der Elberadweg in und um Dresden ist nur noch was für Lebensmüde.
Dort herrscht, wie man so schön sagt, wilde Sau. Angefangen von Kampfradlern jeder Coleur bis hin zu den unberechnebaren alten Heizern, die mehr in die Landschaft schauen, als auf den Weg.