Der Unterschied zwischen Lackaffe und Pinocchio am Beispiel von Friedrich Merz

Der Begriff Lackaffe bezeichnet umgangssprachlich einen eitlen, eingebildeten und affektierten Mann, der viel Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild legt. Die Herkunft setzt sich aus zwei sprachlichen Elementen zusammen:

  • Lack: Bezieht sich auf glänzende, geschniegelte Oberflächen (wie Lackschuhe oder pomadisiertes, glänzendes Haar).
  • Affe: Steht im übertragenen Sinn für albernes, eitles oder nachgeäfftes Verhalten.

Mögliche Herleitung:

  • Der „Laffe“: Ursprünglich könnte das Wort eine spöttische Erweiterung des alten Begriffs Laffe sein, was im Frühneuhochdeutschen so viel wie „Narr“, „Einfaltspinsel“ oder „Geck“ bedeutete.
  • General Mélac: Historisch wird gelegentlich auch auf den französischen General Ezéchiel de Mélac verwiesen, der im 17. Jahrhundert während des Pfälzischen Erbfolgekriegs große Teile der Pfalz verwüstete und in der Bevölkerung als Inbegriff der Arroganz galt.

Der Name Pinocchio ist eine italienische Wortschöpfung. Er setzt sich zusammen aus pino (Kiefer/Pinie) und der Verniedlichungsform von occhio (Auge), bedeutet also in etwa „Kiefernholzauge“.

Die weltberühmte Holzpuppe aus Carlo Collodis Kinderbuch von 1883 (das war im letztenJahrzehnt des Sittenromans, danach wurde die Werbung für gutes Betragen piu o meno aufgegeben) hat mehrere tiefere Bedeutungen und symbolische Aspekte:

  • Moralische Lektion: Der berühmteste Aspekt der Figur ist die wachsende Nase, die immer dann länger wird, wenn er lügt. Sie symbolisiert die Konsequenzen von Unehrlichkeit und die Tatsache, dass sich Lügen nicht auszahlen.
  • Symbol für das Menschsein: Die Geschichte ist ein Entwicklungsroman. Pinocchio steht allegorisch für den Menschen, der durch Fehler, Vergebung und Reife lernt, Verantwortung zu übernehmen.
  • Pädagogischer Erziehungsroman: Der Autor Collodi schrieb das Buch mit einer klaren erzieherischen Absicht: Kinder sollten dazu angehalten werden, fleißig zu lernen, auf ihre Eltern zu hören und sich nicht leichtfertig in Gefahr zu bringen

Nun mußte sich die Justiz mit der Frage herumschlagen, ob Merz ein Lackaffe oder ein Pinocchio wäre. Der Pinocchio ging anstandslos durch, weil Merz mit seinen Sondervermögen kraß gegen seine Versprechen gehandelt hatte und der Autor der Zuschreibung auf diesen Grund hingewiesen hatte.

Im Fall des Lackaffen fehlte offensichtlich die Begründung. Hätte der Beleidiger auf Merzens Herkunft aus der Finanzindustrie abstellen müssen, wo gute Kleidung zum Beruf gehört? Ich war gestern in einer italienischen Bankfiliale und der Impiegatore war tadellos angetan. Freilich wird oft der schöne Schein gewahrt, wie sich in der Finanzkrise, bei der Wirecard-Überprüfung und bei vielen peinlichen Gelegenheiten zeigte. Viele Wirtschaftsprüfer, die ich kennengelernt hatte, waren angesichts ihrer schwachen Beiträge sehr aufgepimpt.

Oder hätte der Autor von „Lackaffe“ auf das biografische Detail aus Merzens Schulzeit abstellen sollen, wo er dem Unterricht aus Arroganz nicht folgte und in der Stunde Karten kloppte?

Man sollte seine Zuschreibungen also gut begründen, so daß die Jurisprudenz einen Zusammenhang zur schmählichen Realität der Biografie herzustellen vermag.

Ansonsten könnte der Kanzler durch vorbildliches Betragen alle herabsetzenden Bemerkungen ad absurdum führen, bzw. deren Anzahl reduzieren, so daß nur noch Sozis und Verrückte pöbeln würden.