Mäh-Du im Biedermeier

Die sich da über die geilen Böcke aufregen, haben oft eine steile Karrriere mit horizontalen Episoden hinter sich. In meine Schule ging eine junge Dame, die nichts anbrennen ließ und dann – natürlich nicht ohne eigenes Zutun – in der Gegend von Berlin in der Albtraumfabrik. d.h. wegen etwas einseitiger Talente nur in einer mittleren Position der Kulturbranche landete. Eine andere wurde Sängerin und schaffte es immerhin einige Scheiben bei den Amigos von AMIGA pressen zu lassen. Ich schreibe es mal wie es ist: Sie konnte besser tanzen als singen. Nein, ich nenne keine Namen, weder von den Türstehern der Kulturszene, noch von den Stürmerinnen des frivolen Tempels der Musen.

Fidus: Die Erinnyen machen gerade Kleinholz aus nackten Angreiferinnen

Tempi passati und 2003 war ein großes Klassentreffen. Wer nicht kam: Die inzwischen gereifte Dame aus dem Kulturbetrieb. Statt dessen ein mittellanger Brief mit geballter Selbstkritik. Wie sie sich schäme und daß sie sich in diesem derangierten Zustand nicht zeigen könne. Unnötig zu erwähnen, daß dieses Geschreibsel allgemeine Heiterkeit auslöste.

Es gibt da einen Plot aus dem 19. Jahrhundert: Die fromme Helene von Wilhelm Busch. Helene hatte einen wohlhabenden Kapitalisten geheiratet, der allerdings dem Alkohol zugetan war, und wegen sexuellem Desinteresse keinen Nachwuchs zustandebrachte. Sie mußte sich mit Gelegenheitsbekanntschaften helfen und fand auch einen Bock, der sie endlich gepoppt hat. Als dieser Schwerenöter allerdings begann sich mit dem Dienstmädchen in der Küche zu herzen, kam der eifersüchtige Diener hinzu und tötete ihn auf der Stelle.  Helenes Mann war wegen seiner Freßsucht mittlerweile an einer Fischgräte zugrundegegangen. Und dann kam die scharfe Wende in Helenes Lebenswandel:

Ach, wie ist der Mensch so sündig! –
Lene, Lene! Gehe in dich! –
Und sie eilet tieferschüttert
Zu dem Schranke schmerzdurchzittert.
Fort! Ihr falschgesinnten Zöpfe,
Schminke und Pomadentöpfe!
Fort! Du Apparat der Lüste,
Hochgewölbtes Herzgerüste!
Fort vor allem mit dem Übel
Dieser Lust- und Sündenstiebel!
Trödelkram der Eitelkeit,
Fort, und sei der Glut geweiht!


Sieh, da geht Helene hin,
Eine schlanke Büßerin!

Siehe Beitragsbild.

Eine Beschwerde bei den Medien ist damals ausgeblieben. Helene trank eine Flasche Likör, zerrte im Suff die Kerze vom Tisch und verbrannte. Glückliches Biedermeier!