Realistische Erwartungen für Ungarn
Einige Kommentatoren erwarten meine Einschätzungen zu den Chancen der Regierung Magyar in Ungarn. Bei PB rätselt man nicht, man spekuliert auch nicht, sondern man rechnet gewöhnlich.
Bis zu 19 Mrd. € eingefrorene EU-Gelder könnten die nächsten fünf Jahre durch Brüssel freigegeben werden. Auf zehn Millionen Einwohner und fünf Jahre verteilt sind das maximal 31,70 € pro Monat.
Am Jahreswechsel betrug der Durschnittslohn in Ungarn 756.400 HUF /384 = 1,970 €.
31,70 € sind etwa 1,6 % des Durchschnittslohns. Das ist die Größenordnung, um die es geht.
Nach der turbulenten Wahlkampagne von Péter Magyar erwarten die Ungarn einen deutlichen Einkommenszuwachs. Kurz vor der Wahl habe ich noch mit einigen Szomszédaim (meinen Nachbarn) gesprochen und man hatte ihrerseits so den Wohlstand des benachbarten Burgenlands im Auge.
Magyar veranstaltet jeden Tag Großfeiern mit sich im Mittelpunkt und nährt weiterhin hohe Erwartungen. Das halte ich für riskant. Ich würde etwas bescheidener auftreten, denn wer hoch hinaus will, wird tief fallen. Die Ungarn haben angesichts der lockenden EU-Milliarden zu große Hoffnungen, die mit einiger Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden, wie ich oben mit Zuhilfenahme der Grundrechenarten dargetan habe. Glanz und Elend liegen oft nahe beieinand.
Nehmen wir mal Polen zum Exempel. Dort hatte die EU 137 Mrd. € gesperrt, die seit Anfang 2024 in Tranchen freigegeben wurden. Meßbaren Einfluß auf die polnische Wirtschaft hat das nicht gehabt. 2000 bis 2019 betrug das polnische Wirtschaftswachstum im Schnitt 3,9 %. 2024 wurden 3 % ermittelt. 2025 3,6 % und für dieses Jahr sind 3,5 % prognostiziert.
Es kommt mehr auf die Energie- und Arbeitskosten, den bürokratischen Aufwand und die Weltwirtschaft an, als auf Fördermittel.
Ungarn ist in einer etwas schwierigen Lage, weil die schwächelnde Automobilindustrie einen große Teil der Auslandsinvestitionen erbracht hat. Die Krise von BMW, Mercedes, Schaeffler, Renault, Audi usw. drückt auf die wirtschaftliche Entwicklung. Dagegen hilft auch ein Regimewechsel nicht. Es ist zudem fraglich, ob Rußland die günstigen Energieverträge mit Budapest zu den derzeitigen Bedingungen prolongieren wird.
Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.

Sie erwähnten schon einmal die von den Osmanen übriggebliebene Korruption in Ungarn. Vermutlich will Peter M. mit seiner Seilschaft schlichtweg auch was abhaben. Von der Blowup-Körperlichkeit Orbans sprach ich häufiger.
Will er Öl, wird nicht mal so sehr Rußland, sondern eher die Kokaine mehr verlangen, für schicke Bandera-Fahnen, galizische Ski-Resorts etc.
Das wäre aber alles gar nicht schlimm, selbst die EU nicht, hätte man nicht die großmäuligen Restdeutschen in Brüssel so fett werden lassen.
Da liegt das Problem.
Danke, Herr Prabel, für die nüchterne Zustandsbeschreibung. Ein Schulbeispiel für Freedom and Democracy: Der gelangweilte / (zahlen)blinde Esel rennt dem leckeren Geruch eines Bratens nach. Aber vielleicht kommt es zu dem pädagogischen Effekt – Lernen durch Schmerz- ?
Interessant zB die Realisierung von Paks-2, wozu der Rosatom Chef erklärte, daß beide Seiten von der Sache her an einer schnellen, qualitativen und günstigen Fertigstellung interessiert seien. Er empfahl, sich dabei auf die Zahlen zu konzentrieren. Nach Vereidigung der neuen Regierung erhält diese selbstverständlich sämtliche (ansonsten vertraulichen) Unterlagen, über die man dann verhandeln kann.