Ein Käfig voller Narren in Magdeburg?
Friedrich Merz hat sich aus einer kindischen Bockeligkeit in minderschöne Verhältnisse reingeritten, die im Herbst noch weniger angenehm für die Union werden. Da stehen für die CDU drei Desaster-Wahlen an, aber böser noch sind die Entwicklungen in der SPD. Die Spatzen pfeifen von den Dächern, daß Bas und Klingbeil als Parteiführer gestürzt und durch noch radikalere Figuren ersetzt werden sollen.
Da wird die SPD Steuererhöhungen verlangen, welche weitere treue CDU-Wähler vergraulen werden. Sicher, die 80jährige Kernklientel der CDU interessieren Steuern und Abgaben nicht mehr. Aber die Partei erzielte 2025 bei den 25- bis 34jährigen noch 16 %, bei den 35- bis 44jährigen sogar 22 %. Inzwischen dürfte es etwa ein Drittel weniger sein. Das sind Leute, die auf ihr Einkommen Wert legen. Ich kenne viele davon persönlich, sie wären mit der Vermögenssteuer, der erhöhten Erbschafts- und Alkoholsteuer, mit der Streichung des Ehegattensplittings, der Erhöhung der Krankenkassen- und Alobeiträge nicht einverstanden.
Die CDU hat aus der Bonner Republik das Image einer wohlstandsbewahrenden Partei, welches seit Jahren ruiniert wird. Irgendwann werden ihre geduldigsten Wähler – soweit sie noch im schaffenden Alter sind – wütend werden. Wir sind nicht weit davon entfernt.
Ein Wendepunkt ist die Wahl in Sachsen-Anhalt. Wenn Siegmund gewinnt, ist das Konzept der Brandmauer gescheitert. Verliert er die Wahl knapp, müßte Schulze mit Linken, Grünen und SPD verhandeln, Ein Käfig voller Narren ist ein Sanatorium dagegen, der Landeshaushalt würde für verrückte Steckenpferde der Woken draufgehen.
Viele politische Beobachter erwarten auf die eine oder andere Art den Crash der Union, Sie verbiegt sich einfach zu stark. Guter Rat ist teuer, da der Marsch in den Untergang schon etwa 2000 begonnen hat und die CDU/CSU keine eigene Medienpräsenz hat. Sie hat sich auf Gedeih und Verderb den NGOs in den Mainstreammedien ausgeliefert. Jede Korrektur, oder gar eine Kehrtwende wäre kurzfristig teuer und riskant, ist aber unvermeidlich, wenn die Partei auf mittlere Sicht überleben will. Es ist schwer wohlbestallten Abgeordneten beizubringen, daß man eine Durststrecke vor sich hat, bevor wieder Licht am Ende des Tunnels erscheint. Davor schreckt Merz zurück. Er ist ein irrlichternder Leichenbalsamierer und kein kühner Retter.
