Morgen beschließt der Bundestag Riester 2.0
Die schönste Lösung für die Zusatzrente wäre natürlich, daß jeder für sich selbst sorgt. Das ist wegen weitverbreitetem Antikapitalismus aber unrealistisch. Ohne Zwang bleiben die meisten Bürger bei LV und Sichteinlage oder nicht mal das und liefern sich so der Altersarmut aus.
Als Notlösung ist ein Staatsfonds nach norwegischem oder schwedischem Vorbild nicht schlecht. Ich habe mir den norwegischen mal im Detail angesehen und einiges in meiner Alterssicherung nachgebaut.
Verbraucherschützer werfen Bundesfinanzminister Klingbeil (SPD) vor, daß sein Gesetzentwurf die Sparer wieder wie bei Riester der Finanzindustrie ausliefere. „Die Geschichte wiederholt sich“, sagte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg der Alpenprawda. „Mit dieser Reform wird die private Altersvorsorge wieder scheitern.“ Nauhauser kritisiert, daß die Finanzprodukte von Banken und Finanzvermittlern vertrieben werden sollen. „Die werden verkaufen, was am meisten Provision bringt.“
Das ist leider auch genau meine Erfahrung. Ich hatte das Sparkassendepot meines Vater geerbt und war entsetzt, was ihm verkauft worden war. Selbst bin ich der VR-Bank auf den Leim gegangen und hatte mir einen LV-Fonds aufschwatzen lassen, der nach zwei Jahren ein Totalverlust war. Seitdem verzichte ich konsequent auf Ratgeber aus der Finanzbranche und alles geht glatt.
Das Bundesfinanzministerium setze eine Agenda der Finanzlobby um, so Nauhauser. Das ist insofern verwunderlich, weil die SPD theoretisch doch immer für den Sozialismus ist. Praktisch sieht das anders aus. es läuft auf Hinterzimmerkapitalismus hinaus. Klingbeil will ein Standardprodukt, welches als Depot für die breite Masse dienen soll. Um den Wucher des Vertriebs einigermaßen zu begrenzen, sieht der Gesetzentwurf einen Deckel von 1,5 Prozent bei den jährlichen Verwaltungskosten vor.
Das hört sich wenig an, ist aber viel. Bekannte ETFs haben Kosten (TER genannt) von 0,15 % jährlich. Das ist ein Zehntel. Die Bundesregierung steckt mit der Finanzindustrie unter einer Decke und agiert so unsolide und intransparent, wie das schon beim Maskenkauf und beim Spritzenkauf zu beobachten war. Hat das eventuell auch damit zu tun, daß Fraktionsvorsitzender Jens Spahn (CDU) und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) aus der Finanzbranche kommen?
Wenn ich eine Aktie kaufe oder verkaufe kostet das ungefähr 0,3 % Gebühren und Provision. Halte ich die Aktie 5 Jahre entstehen Kosten von (2 x 0,3 %) / 5 = 0,12 % jährlich. Und ich spare Zeit, muß mir nicht das dumme Gequatsche von Provisionsjägern anhören.
Bin mal gespannt wie der Bundestag entscheidet. Bisher endeten Alterssicherungen in Deutschland schon dreimal in der Total- oder Teilkatstrophe: 1923, 1948 und 2002 (Riester). Schaun mer mal.

Alle deutschen staatlichen „Produkte“ sind generell zum Scheitern verurteilt ! Also meine Lieben, „Hände/Griffel“
weg von dem Mist … das wird Nix ! Kaufen tun es nur die Dummen.
Ich habe Bekannten schon bei der Einführung der Riester-Rente dringend davon abgeraten. Warum? Wer etwas mehr Geld hat, muss sich im Ausland ein zweites Standbein aufbauen. Wer wenig Geld hat, sollte anonym Gold (oder etwas Werthaltiges) kaufen. Denn alle Einnahmen/Besitz, die der Staat kennt, werden einmal von der Sozialhilfe abgezogen werden. Und die Masse wird im Alter auf diesem Niveau landen,
Norwegen hat Öl und Gas, Restdeutschland hat nichts, absolut nichts.
Und so wird es auch bei der Zusatzrente sein – Zusatz bedeutet ja, daß vor wie nach Abgaben für die RV Bund vom Brutto abgezogen (aber versteuert) werden.
Da jedoch die hier adressierte konsumistische Mittelschicht ebenso abgekündigt („deprecated“) ist wie Updates für ein altes Betriebssystem, wird es gehaltsmäßig für 95% der AN nicht möglich sein.
Norwegens Staatsfond ist ein Sonderfall: Er legt die enormen ölbedingten Außenhandelsüberschüsse an – muss es tun, weil sonst der Rest von Norwegens Wirtschaft kaputt ginge. (Grund is der „Fluch natürlicher Ressourcen“.) Deutschland kann das gar nicht nachbauen. Ich vermute auch, dass Norwegens Politik nicht so korrupt ist wie die deutsche; das hilft natürlich.
Das nur als Nebenbemerkung. Den Äußerungen von Wolfgang Prabel hier stimme ich voll zu. Ich selbst habe fast keine Aktieninvestments mehr in Europa. (Und diese fast alle über ETFs). Bankberatung für Geldanlagen nehme ich nicht in Anspruch: Teuer, bringt nichts, es sei denn, dass man auf die Schmeicheleien des Bankberaters seelisch angewiesen ist. In der Vergangenheit (ich weiß nicht, wie es heute ist, ich habe mich da ausgeklinkt), gab es auch etliche bankempfohlene Produkte, die eine halbkriminelle Ausbeutung des Anlegers zu Gunsten der Bank darstellten: Die Bank hat schlichtweg ihren Informationsvorsprung und das Vertrauen ihrer Anleger brutal ausgenutzt.
Leider verlangt die selbstgesteuerte Geldanlage einen gewissen Mindest-IQ, den nicht jeder hat. Daran scheitern viele gutgemeinte Ideen.
Hier wird das ganze Debakel erläutert:
https://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/top-oekonomin-nennt-merz-altersvorsorge-depot-peinlich_8a7843d8-5e7c-4236-aad5-412b84d48d56.html
Das verhängnisvolle Prinzip der zahlreichen, lobbystarken Mitverdiener in Deutschland.
Nicht nur bei Versicherungs“produkten“, sondern z.B. auch in den Systemen der gesetzlichen KV und RV.
Aktuelles Beispiel: Spritpreise, Energiekosten.
Der Staat frißt und wächst und frisst und wächst – bis er platzt.
Das Schlimme ist für mich, dass deutsche Politiker immer meinen, das Rad neu erfinden zu müssen. Wieso wird nicht einfach im Ausland nachgeschaut (die sind deutlich weiter als wir), was gut läuft und das wird eins zu eins übernommen.
Beim persönlichen Philosophieren bin ich zum Schluss gekommen, dass die selbst angesparte Altersvorsorge letztendlich am besten ist, weil man seine Rente so vollständig selber finanziert anstatt die Rente anderer zu finanzieren, um später die eigene Rente von anderen bezahlt zu bekommen (und zu hoffen, dass man das Eingezahlte wieder zurück bekommt). Beim Ansparen ist allerdings das Problem, was geeignetes zu finden.