Deutschland ist gegen Knappheiten nicht widerstandsfähig

In den Märchenmedien wird derzeit über die Auswirkungen des Irankonflikts gejammert. Sicher, der führt weltweit zu temporären Knappheiten und damit zu höheren Preisen. Es stellt sich jedoch die Frage, wie Deutschland vorbereitet ist. Sowohl auf privater wie auch auf öffentlicher Ebene steht man verglichen mit anderen rohstoffarmen Nationen auf dem Schlauch. Ich gebe im folgenden einige Einblicke in das japanische Management, welches unideologischer vorgeht und zahlreiche Sicherungen eingebaut hat. Warum ein Vergleich mit Japan? – Weil es auch keine Rohstoffe hat. Wir können uns an den großen japanischen Handelshäuern langhangeln:

Itochu handelt mit Rohstoffen und Produkten in den Bereichen Metalle, Mineralien, Energie, Chemikalien und Lebensmittel. Neben dem reinen Handel investiert das Unternehmen direkt in Projekte, wie beispielsweise Kohleminen in Australien, wo es teilweise auch operativ tätig ist. Itochu agiert entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Rohstoffgewinnung über die Logistik bis hin zum Verkauf an Endkunden, was als Teil eines integralen Geschäftsmodells bezeichnet wird.

Itochu ist ein langjähriger Partner von Großkonzernen wie BHP und investiert massiv, um seine Rechte bis 2030 um 50 % auf jährlich 40 Millionen Tonnen Kokskohle zu steigern.

  • Western Australia Iron Ore (WAIO): Itochu hält Anteile (meist 8 %) an den Joint Ventures Mt. Newman, Yandi und Mt. Goldsworthy sowie an der Jimblebar-Mine.
  • South Flank (Australien): Eine der weltweit größten und modernsten Eisenerzminen, an der Itochu beteiligt ist.
  • CSN Mineração (Brasilien): Beteiligung an Brasiliens zweitgrößtem Eisenerzproduzenten (ca. 11 %), dessen Erze auch für kohlenstoffarmen Stahl genutzt werden sollen.
  • Platreef-Mine (Südafrika): Eine der weltweit größten im Bau befindlichen Minen für Platinmetalle (PGM), Nickel, Gold und Kupfer. Itochu hielt bereits Anteile und hat im März 2026 sein Investment weiter aufgestockt
  • Maules Creek (Australien): 15 %-Beteiligung an einer bedeutenden Kohlemine.
  • Wandoan (Australien): 12,5 %-Anteil an diesem großflächigen, bisher unerschlossenen Kohlevorkommen.
  • Suprabari Mapanindo Mineral (Indonesien): Investment in eine indonesische Kohlemine.
  • Allegheny-Mine / Longview (USA): Beteiligung an der Gewinnung hochwertiger Kokskohle in West Virginia

Mitsui & Co. ist als „Sogo Shosha“ ein globaler Investor und Händler, der Beteiligungen an Minen, Energieprojekten und Infrastruktur hält. Der Fokus liegt auf der Sicherung und dem Handel kritischer Rohstoffe, darunter Eisenerz, Kohle, Stahl, Kupfer und andere Nichteisenmetalle. Mitsui Mining and Smelting profitiert stark von der Nachfrage nach hochspezialisierten Kupferfolien, die in der Produktion von KI-Servern und anderen Elektronikbauteilen benötigt werden. Mitsui konzentriert sich auf die Sicherung kritischer Technologiemetalle, um die Lieferketten in der Elektronik- und Automobilindustrie zu bedienen. Das Unternehmen ist entlang der gesamten Wertschöpfungskette aktiv – von der Rohstoffgewinnung und -aufbereitung bis zur Raffination und Herstellung spezialisierter Materialien. Mitsui ist in großen Schiefergas- und Schieferölprojekten in den USA (Marcellus- und Eagle-Ford-Schiefergebiete) engagiert Mitsui Mining and Smelting profitiert von einer breiten Diversifizierung. Beteiligungen an Projekten wie Sakhalin-2 bieten einen Puffer gegen steigende Betriebskosten im Energiesektor.

Marubeni ist einer der weltweit führenden Händler von Getreide, Ölsaaten und Futtermitteln, insbesondere für den asiatischen Markt. Der Konzern handelt mit Rohstoffen wie Kohle, Öl, Gas und Metallen. Auch der Handel mit Holzprodukten, Papier und chemischen Rohstoffen gehört zum Portfolio. Marubeni investiert in Rohstoffprojekte und Joint Ventures, um die Lieferkette zu sichern und Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Marubeni ist einer der größten japanischen Kupferbesitzer und hält Beteiligungen an drei bedeutenden Minen in Chile:

  • Minera Centinela: Marubeni hält einen Anteil von 30 %. Aktuell wird ein 4,4 Milliarden US-Dollar schweres Expansionsprojekt umgesetzt, um die Kapazität bis 2027 massiv zu steigern.
  • Minera Antucoya: Hier hält das Unternehmen ebenfalls einen Anteil von 30 %.
  • Los Pelambres: Eine weitere strategische Beteiligung an einer der weltweit größten Kupferminen.

Eisenerz (Australien)

  • Roy Hill Iron Ore Mine: Marubeni ist Teil eines Konsortiums, das an dieser hochmodernen Mine in Westaustralien beteiligt ist. Die Mine zeichnet sich durch einen hohen Automatisierungsgrad und eigene Bahn- und Hafenanlagen aus. [1]

Kohle (Australien)

Marubeni hält bedeutende Anteile an mehreren Minen in Queensland, die hauptsächlich Kokskohle für die Stahlherstellung fördern.

  • Jellinbah East: Marubeni erhöhte seinen Anteil im Jahr 2025 auf 43 %.
  • Lake Vermont: Auch hier wurde der Anteil 2025 auf 38 % aufgestockt.
  • Hail Creek: Beteiligung von 12 % in Zusammenarbeit mit Glencore.

Sumitomo ist über verschiedene Konzernteile, insbesondere die Sumitomo Metal Mining Co., Ltd. (SMM), ein bedeutender Akteur auf dem globalen Rohstoffmarkt, mit Schwerpunkten auf Kupfer, Nickel und Gold. Die Gruppe ist stark im Bereich Flüssigerdgas (LNG) engagiert. Sie investiert in Exportprojekte, betreibt den globalen Handel mit LNG und ist an der städtischen Gasverteilung beteiligt. Sumitomo entwickelt und betreibt schwimmende Produktions- und Lagersysteme sowie Infrastrukturen für den Transport von Schiffskraftstoffen.

Die Mitsubishi Corporation ist ein großer Akteur im traditionellen Energiegeschäft, insbesondere bei Flüssigerdgas (LNG) und Kohle. Sie betreibt eigene Gasfelder und handelt mit Rohstoffen. Mitsubishi ist an insgesamt 13 LNG-Projekten weltweit beteiligt und deckt damit rechnerisch etwa 20 % des japanischen LNG-Bedarfs. Zu den wichtigsten Projekten gehören.

  • Brunei LNG (Brunei): Eines der ältesten Engagements; Mitsubishi hält hier einen Anteil von 45 %.
  • LNG Canada (Kanada): Ein massives Exportprojekt an der Westküste Kanadas, an dem Mitsubishi mit 15 % beteiligt ist.
  • Cameron LNG (USA): Ein bedeutendes Exportterminal in Louisiana, an dem Mitsubishi über ein Joint Venture beteiligt ist.
  • Sachalin-2 (Russland): Trotz geopolitischer Spannungen hält Mitsubishi weiterhin einen Anteil von 10 % an diesem kombinierten Öl- und Gasprojekt.
  • Australien: Beteiligungen an den Großprojekten North West Shelf, Browse und Wheatstone.
  • Indonesien: Beteiligung am Donggi-Senoro LNG-Projekt.
  • Aethon Energy: Mitsubishi investierte rund 7,5 Mrd. USD (einschließlich Schuldenübernahme), um Schiefergas-Assets in Texas und Louisiana zu erwerben. Das Unternehmen hält Rechte an Ölfeldern unter anderem in der Nordsee, im Golf von Mexiko, in Afrika und Asien.

So, das war mal ein Blick nach Asien. Man hat sich über ein großes Portfolio an Beteiligungen zahlreiche Erdöl-, Erdgas- und strategische Rohstoffvorkommen gesichert. Am wenigsten im Nahen Osten, mehr in den Americas, in Südostasien, Südafrika und Ozeanien.

Deutsche Unternehmen halten Anteile an Rohstoffunternehmen im Ausland, allerdings ist dieser Trend in den letzten Jahren stark rückläufig gewesen. Während deutsche Firmen früher oft direkt an Minen beteiligt waren, setzen sie heute verstärkt auf langfristige Lieferverträge und strategische Partnerschaften. Die Anzahl deutscher Beteiligungen an ausländischen Bergbauunternehmen ist im letzten Jahrzehnt massiv gesunken – von etwa 90 auf nur noch 22 aktive Beteiligungen.

Bis 2024 gab es einen größeren Energiebetrieb in Deutschland. 2019 fusionierten die Wintershall Holding GmbH und die DEA Deutsche Erdoel AG zur Wintershall Dea. Das Unternehmen konzentrierte sich auf Exploration und Produktion von Erdgas und Erdöl in Europa, Südamerika, Nordafrika und Russland. Der Großteil des E&P-Geschäfts (Exploration & Produktion) von Wintershall Dea wurde 2024 an Harbour Energy verkauft. Wintershall Dea ist seither mit der eigenen Abwicklung beschäftigt,

Es gibt seither noch einige deutsche Händler, die jedoch keine Anteile an Minen oder Explorationen besitzen. Meiner Meinung nach ein Nachteil, wenn es hart auf hart kommen sollte. Ausnahmen sind die Deutsche Rohstoff AG und HMS Bergbau, zwei Zwerge verglichen mit den japanischen Sogo Shosha.

Die deutsche Denkweise und die Rechtskulisse müssen umgekrempelt werden, um es defensiv auszudrücken.