Antimon als kritischer Rohstoff
Antimon ist ein silbergraues, sprödes, seltenes Halbmetall, welches dem Arsen ähnelt. Der islamische Prophet Mohammed hatte den Gebrauch von Antimon empfohlen, während er per esempio der Meinung war, daß es Kohlendioxid nicht gibt. Insbesondere Paracelsus führte verschiedene antimonhaltige Arzneimittel in die Therapie ein. Da gleichzeitig die Giftwirkung des Antimons bekannter wurde, entstand ein heftiges Gezänk zwischen Befürwortern und Gegnern der Lehren von Paracelsus. Dieser ursprünglich nur wissenschaftlich an der Sorbonne geführte Streit weitete sich so aus, dass 1615 das Parlement de Paris zeitweise die Verwendung von antimonhaltigen Arzneimitteln verbot.
Es wird heute für alles mögliche gebraucht: Wichtig für Flammschutzmittel, Hochleistungsbatterien und Solaranlagen. Zu finden in Autositzen, Flugzeuginnenräumen, Matratzen und Elektronikgehäusen. Es dient als Klärmittel für das Spezialglas von Photovoltaik-Modulen, um die Lichtdurchlässigkeit zu erhöhen. Wichtig für Infrarotsensoren, Nachtsichtgeräte, Laser und präzisionsgelenkte Munition. Minimale Mengen werden in der Mikroelektronik für Dioden und Prozessoren genutzt. Antimon härtet das weiche Blei in traditionellen Autobatterien (Akkumulatoren) und macht sie zyklfest. Antimonverbindungen dienen als Katalysator bei der Herstellung von PET-Flaschen. Es wird Bleilegierungen für Munition, Lagerschalen in Motoren und Lötmaterial beigemischt.
Die Weltförderung betragt ca. 110.000 t pro Jahr. Davon entfallen knapp 40 % auf China, etwas weniger als 30 % auf Rußland, etwa ein Fünftel auf Tadschikistan, ja 4 % auf Myanmar und Bolivien, 3 % auf die Türkei und 1 % auf Australien, Die chinesische Antimon-Produktion und die entsprechenden Exporte sind in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Hauptgründe dafür sind sinkende Erzgehalte in den alternden Minen, strengere staatliche Umweltauflagen sowie die gezielte Verhängung strenger Export- und Ausfuhrkontrollen durch Peking im Rahmen geopolitischer Handelskonflikte.
Bei den Hüttenkapazitäten und der Herstellung von verkaufsfertigem Reinmetall sowie Antimonoxiden liegt der Marktanteil Chinas bei über 70 %. Das ist unter anderem dadurch bedingt, daß die burmesische und sibirische Förderung zur Weiterverarbeitung im Reich der Mitte landet. Da es die EU durch Strafzahlungen und Klimazölle grad mit China verdirbt, ist es interessant mal zu gucken, wo es sonst noch so gefördert wird. Da sind Tadschikistan, Bolivien und Australien erste Adressen. Europa hat wieder mal a nix.
Rußland produziert jährlich rund 32.000 Tonnen Antimon. Trotz riesiger Vorkommen ist Russland wegen der westlichen Sanktionen als direkter Lieferant für Europa und die USA weitgehend ausgefallen. Tadschikistan ist der wichtigste „Retter“ für den Westen mit rund 22.000 Tonnen pro Jahr. Das Land hat seine Förderung in den letzten Jahren massiv hochgefahren und liefert bereits über 50 % des vom EU-Raum benötigten Antimonmetalls.
In Australien ist mir die Minengesellschaft Alcane Exploration (WKN 863617) aufgefallen, die 2025 durch Fusion von Alkane und Mandalay Ressources entstanden ist. Die Costerfield-Mine ist eine bedeutende Gold- und Antimon-Lagerstätte in Victoria. Das kombinierte Unternehmen fördert in der Costerfield-Mine derzeit rund 1.100 bis 1.300 Tonnen reines Antimon pro Jahr. Alkane meldete für das erste Kalendervierteljahr 2026 eine Förderung von 377 Tonnen Antimon allein in diesem Dreimonatszeitraum. Die verbleibenden, nachgewiesenen Erzreserven (Proven & Probable) in Costerfield liegen aktuell bei rund 11.100 Tonnen enthaltenem Antimon bei einem hohen Erzgrad von etwa 1,8 % Antimon im Gestein.
Bei Alkane Resources macht der Ertrag der Goldförderung den absoluten Löwenanteil von über 85–90% der Gesamterlöse aus. Der Antimonanteil aus der Costerfield-Mine steuert den verbleibenden, deutlich kleineren Teil bei. Die genannten Fakten sind natürlich keine Anlageberatung.
Vor den Verwerfungen lag der Preis jahrelang stabil zwischen 12.000 und 18.000 US-Dollar je Tonne. Nach der Ankündigung und Verschärfung der chinesischen Exportbeschränkungen schoß der Weltmarktpreis massiv nach oben und erreichte Mitte 2025 historische Höchststände von zeitweise fast 60.000 US-Dollar pro Tonne. Extrem hohe Preise zerstörten teilweise die Nachfrage (z. B. bei Flammschutzmitteln wichen Abnehmer auf Alternativen aus). Zudem traten trotz bürokratischer Hürden neue Verarbeiter in den Markt und China lockerte Teilbereiche vorübergehend. Der europäische Benchmarkpreis sank daraufhin wieder in Richtung 20.000 bis 27.000 US-Dollar pro Tonne, wobei die Preise stark zwischen Inlandsmarkt und westlichen Importen divergieren.
