Die Römer brauchten für eine steinerne Rheinbrücke fünf Jahre
Bei der Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn (auch bekannt als Nordbrücke) wurden bei routinemäßigen Sicherheitsprüfungen gravierende strukturelle Schäden am Tragwerk festgestellt. Sie wurde umgehend gesperrt.
Bei den Untersuchungen wurden erhebliche Vergrößerungen von Rissen im Beton sowie fortgeschrittene Korrosion (Rost) am tragenden Bewehrungsstahl festgestellt.
Die AI schreibt: „Die Brücke wurde in den 1960er-Jahren mit einer damals neuen Leichtbauweise aus Spannbeton errichtet. Durch diese Konstruktion sparte man damals Material, weshalb das Bauwerk heute kaum „Puffer“ oder statische Reserven besitzt, um den modernen Verkehr abzufangen.“
Diese Ursachenbeschreibung ist halbseiden. Es gab in den 60ern einen regelrechten Wettbewerb um die schlankesten und damit elegantesten Brücken. Bauherren erwarteten das und Ingenieure machten das mit. Unter der Schlankheit litten die Reserven für größere Verkehrsstärken und schwerere Fahrzeuge.
Im Übrigen: Spannbetonbrücken haben nach den Regelwerken eine Lebensdauer von 80 Jahren. Die Großbrücken aus den 60ern erreichen dieses Alter wegen ihrer Schlankheit fast regelmäßig nicht.
Es ist logisch: Unter höheren Lasten und Millionen Lastwechseln bilden sich Risse. Der Beton verliert im Lauf der Zeit durch Karbonatisierung (der ph-Wert wird sauerer) seine Schutzwirkung für den Stahl. Durch Risse kann Feuchtigkeit zutreten. Bei Überführungsbauwerken über Flüsse spielt das eine größere Rolle,
Nun ist das Gejammer groß. Wer jetzt in Bonn über den Rhein will, muß durch die Stadt fahren, was bei der Nordbrücke nicht der Fall war. Die Kennedybrücke im Stadtzentrum ist auch nicht mängelfrei, Das Bauwerk wurde zwischen 2007 und 2011 für rund 40 Millionen Euro aufwändig saniert, verstärkt und verbreitert, nach 15 Jahren gibt es schon wieder Schäden, die aber noch nicht zu Einschränkungen führen. Die Autobahnbrücke im Süden der Stadt ist aktuell voll befahrbar. Obwohl auch sie in die Jahre gekommen ist und historisch eher mäßige Noten in der Gesamtsubstanz erhielt, ist sie statisch stabil.
Es gibt einige Alternativen: Rheinfähre Bad Godesberg – Niederdollendorf: Diese Verbindung verknüpft Bonn-Bad Godesberg (Plittersdorf) direkt mit Königswinter-Niederdollendorf auf der rechten Rheinseite. Die Rheinfähre Godesberg verkehrt als Querung direkt im Bonner Süden. Die Rheinfähre Königswinter – Bonn-Mehlem verbindet das Zentrum von Königswinter mit dem Bonner Stadtteil Mehlem auf der linken Rheinseite. Sie ist ein zentraler Knotenpunkt für Pendler im Berufsverkehr. Die Rheinfähre Mondorf – Graurheindorf stellt eine wichtige Nord-Verbindung zwischen Niederkassel-Mondorf (rechtsrheinisch) und Bonn-Graurheindorf (linksrheinisch) dar. Durch die Vollsperrung der nahegelegenen Autobahnbrücke Bonn-Nord (A565) kommt dieser Fähre aktuell eine enorm hohe Bedeutung als direkte Ausweichroute zu.
Manchmal sollte sich die Straßenbauverwaltung mal mit den Künsten der alten Römer vertraut machen. Ihnen gelang mehrfach in kurzer Zeit ein Brückenbau über den Fluß. Laut Caesars eigenen Berichten in „De Bello Gallico“ ging der Bau einer temporären Pionierbrücke (vermutlich im Raum Neuwied) innerhalb von 10 Tagen über die Bühne. Nach 310 bauten die Römer in etwa 5 Jahren eine steinerne Brücke in Köln, die 315 von Kaiser Konstantin eröffnet wurde, allerdings ohne Planfeststellungsverfahren und ohne Einwändungen der germanischen Häuptlinge, ohne Umweltbericht, ohne Kohlendioxid-Tamtam, ohne Lieferkettengesetz usw. Die Belgier waren von Cäsar im Gallischen Krieg ausgerottet worden, Die Verhinderlis Brüssel und Berlin gabs noch nicht.
